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Geschichte

Einleitung
Die Waldstatt Einsiedeln
Die Geschichtsdaten auf dieser Seite wurden aus dem Buch Waldstatt Einsiedeln übernommen. Dieses Buch können Sie für Fr. 20.00 bei der Bezirkskanzlei oder beim Einwohneramt beziehen. 
   
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Copyright: 1983, 1993, 2006, Bezirkskanzlei Einsiedeln
   
Urgeschichtliche Funde

Bis heute hat man angenommen, dass das Hochtal zwischen Etzel und Mythen bis ins 9. Jahrhundert unbewohnt war. Es wurden bisher auch ganz wenige Relikte aus der Bronzezeit gefunden, die von Jägern aus dem Zürichseegebiet verloren gingen. Zu Ende des 19. Jahrhunderts wurde bei der Hüendermatt in ca. 1,8 m Tiefe ein guterhaltener Dolch entdeckt. Im Rickenbach bei Willerzell stiessen Arbeiter auf ein schönes Bronzebeil, das unter einem Felsblock verborgen war, möglicherweise war es eine Opfergabe eines Jägers.

Überraschenderweise wurde in neuerer Zeit im Sihlseegebiet Material aus prähis-torischer Zeit (8 –12000 Jahre) gefunden.

Dieses Material wird von Archäologen als Silex bezeichnet. Silex ist eine Gruppen-bezeichnung für dichte kryptokristalline Varietäten wie Feuerstein, Hornstein, Flint usw. Sie dienten als Rohmaterial zur Herstellung von Werkzeugen wie Faustkeile, Schaber und anderes mehr. Bei der grossen Anzahl der gefundenen Stücke (über 1700) ist zu vermuten, dass in der Gegend des heutigen Sihlsees eine Art Werkstatt bestanden hat. Ferner wird angenommem, dass sich Jäger im damals tundraartigen und tierreichen Gelände aufgehalten haben. ©

St. Meinrad, der erste Bewohner des Finstern Waldes

Der erste Bewohner des Hochtales, das man lange Zeit als den Finstern Wald bezeichnete, war der Reichenauermönch Meginrat. Über ihn geben verschiedene Lebensbeschreibungen Auskunft, wie etwa die «Vita sive passio vener-abilis heremitae Meginrati», welche ein Reichenauer-Konventuale kurz nach des Heiligen Tod auf-gezeichnet hat. Sie ist knapp und klar gefasst, wohingegen das Meinradsleben des Frater Georg von Gengen-bach, geschrieben 1378, viele legendäre Züge aufweist. Mit Meinrad haben sich bis in die Neuzeit Historiker und Schriftsteller befasst.

Meginrat-Meinrad, Spross einer adligen Familie aus dem Sülichgau (zwischen Rottenburg und Tübingen), kam zur Erziehung auf die Reichenau. Damals regierte über das Kloster Abt Heito, zugleich Bischof von Basel. Unter seinem Nachfolger, Erlebald, empfing Meinrad die Priesterweihe und legte Profess ab. Wenig später kam der junge Mönch als Lehrer an die für christliche Alemannen errichtete Klosterschule von Babinchova am Tuggenersee. Meinrads Sehnen aber ging dahin, Gott allein und in der Einsamkeit zu dienen, «ohne Hilfe anderer unter göttlichem Beistand den Kampf gegen die Verkehrtheit des Fleisches und der Gedanken», wie es die Benediktus-Regel vorsieht, aufzunehmen.

Um 838 baute er mit Hilfe Wohlmeinender auf dem Etzelpass eine Klause und zog dann sieben Jahre später, der vielen Besucher überdrüssig, weiter in den Finstern Wald. In einer Bergwinkelung unweit des Flüsschens Alp errichtete er wieder eine Kapelle. Hier diente Meinrad, selten von Mitbrüdern und Gästen besucht, Gott mit Fasten, Beten und strenger Arbeit. An seine Rodungsarbeit erinnert das «Meginrates geswende» (südöstlich der Luegeten). Nach der Legende hielt sich der hl. Eremit zwei Raben, die heute noch in den Wappen des Klosters und des Bezirkes Einsiedeln flattern.

Mitten im strengen Winter 861 wurde er von zwei Gesellen, einem Alemannen und einem Rätier, aufgesucht, die bei ihm Schätze zu finden hofften. Trotz der genossenen freundlichen Aufnahme erschlugen sie den hl. Eremiten am 21. Januar. Bei der Leiche ereigneten sich wundersame Dinge: Lieblicher Wohlgeruch erfüllte die Klause, Kerzen fingen von selbst zu brennen an.

Voll Schrecken flohen die Mörder, von den beiden Raben verfolgt, bis nach Zürich, wo sie festgenommen und vom Gericht zum Feuertod verurteilt wurden. Mitbrüder holten den Leichnam Meinrads auf die Insel Reichenau. 1039 wurden die hl. Überreste erhoben und am 6. Oktober nach Einsiedeln gebracht, wo das Haupt des Heiligen seit 1984 im Hochaltar verehrt wird.

Zahlreiche Waldleute haben im Laufe der Jahrhunderte bei der Taufe den hl. Meinrad zum Namenspatron erhalten. ©

Gemeinsame Geschichte von Kloster und Dorf

Bis zur Französischen  Revolution hängt die Geschichte des Dorfes und des Bezirkes weitgehend mit jener des Klosters zusammen. ©

Der selige Benno

Etwa 40 Jahre nach Meinrads Tod kam der Strassburger Domherr Benno in den Finstern Wald. Er richtete zusammen mit Gleichgesinnten die Meinradsklause wieder her und rodete den Brüel und die Gegend, welche heute Bennau heisst. 927 wurde er Bischof von Metz, kehrte aber das Jahr darauf, geblendet und geschändet, vertrieben von seinen Feinden, wieder ins Hochtal zurück. Er leitete die Schar der Waldbrüder bis er diese einem Jüngeren anvertrauen konnte. Benno starb am 3. August 940. ©

    

Eberhard kommt

Die Chronik Hermann des Lahmen von der Reichenau meldet kurz für das Jahr 934: «Eberhardus pater venit cum magno apparatu – Eberhard, der Vater, kommt mit grossem Gefolge und Ausrüstung». Er, bislang Dompropst zu Strassburg und mit den Herzögen von Schwaben verwandt, war willens, die Schar der Eremiten unter die Regel des hl. Benedikt zu stellen und zu diesem Zwecke ein Kloster zu bauen. Dazu schenkte Hermann I. von Schwaben das nötige Land und erwirkte 947 von Otto I. die Bestätigung der Klostergründung, die Reichsunmittelbarkeit und die freie Abtswahl. ©

   

Engelweihe

Am 14. September 948 konnte der hl. Konrad von Konstanz (Bischof 934 – 975) die Klosterkirche weihen. Mit diesem Ereignis ist die Legende der Engelweihe verbunden. Konrad soll in der Nacht auf den Weihtag gesehen haben, wie Christus selber, umgeben von Engeln und Heiligen, die von der Kirche umbaute Kapelle geweiht habe. Es mag dahingestellt bleiben, ob die Gnadenkapelle von Christus geweiht wurde, oder ob der Weihetitel in der Ehre des Erlösers zur Legende beigetragen hat. Sicher ist: Die Kapelle, wo seit Jahrhunderten «Unsere Liebe Frau» von den Mönchen, Anwohnern und ungezählten Pilgern verehrt wird, ist eine Stätte des Segens, der Gnade und des Trostes. ©

  

In der Gnade der Fürsten und Kaiser

Das junge Kloster durfte sich der Gunst der Fürsten und Kaiser erfreuen, vor allem der Ottonen. 1018 schenkte Kaiser Heinrich II. in der Pfalz zu Zürich Abt Wirunt (996 – 1026) die Täler der Sihl, Alp und Biber mit Alpen, Forsten, Tälern, Sümpfen, Ebenen, Matten, Weiden, Wasserflüssen, Fischereien und dem Wildbann. Otto I. übergab schon 958 Eschenz, 965 die Ufenau und Besitz im Vorarlberg, Schenkungen, welche Otto II. am 14. August 972 mit seinem kaiserlichen Siegel bestätigt hat. ©

Erste Blüte und Schicksalsschläge

Unter Eberhards Nachfolgern erlebte Einsiedeln seine erste grosse Blütezeit. Vor allem unter Abt Gregor (964 – 996) wurde es als regeltreues Reformkloster weitherum bekannt. Petershausen (980), Muri (1027) und Schaffhausen (1050) erhielten ihre ersten Mönche aus dem Meinradsstift. Berühmt war des Klosters Schreibstube. Werke derselben hütet die Stiftsbibliothek. ©

Ringen um Freiheit und Bestand

Später erhoben sie eigentliche Gebietsansprüche in den obern Tälern der Sihl und Alp. Es setzte nun ein Handel um den Besitz der Alpweiden ein, der sich über 250 Jahre hinzog. Die Landleute schädigten das Gotteshaus und seine Untertanen durch Raubzüge und Brandschatzung. Einsiedeln suchte das Recht beim Kaiser. 1114 und 1143 entschied das kaiserliche Gericht zugunsten des Klosters.

Die Schwyzer hielten sich nicht an die ergangenen Urteile, appellierten erneut an den Richter und erboten sich sogar, Beweise für ihre Eigentumsansprüche zu erbringen. Graf Rudolf von Habsburg, «von rechter Erbschaft rechter Vogt und Schirmer der Leute von Schwyz» erklärte am 11. Juni 1217 die Rechtstitel beider Teile als aufgehoben und zog neue Grenzlinien, wodurch das Stift Einsiedeln den südlichen Teil seines bisherigen Gebietes, nämlich das obere Alpthal, das Iberg mit den Alpen Hesisbohl, Käsern usw., verlor. ©

Der Überfall der Schwyzer 1314

Trotz des Urteils von 1217 hielten die Überfälle der Landleute auf Einsiedlergebiet an, wie der Klagrodel von 1311 ausweist. Sie kehrten sich weder um Bann und Interdikt noch um die Versöhnungsversuche der Zürcher. Der Hass stieg derart an, dass sie vom 6. auf den 7. Januar 1314 das Kloster und die Waldstatt überfielen. Die Mönche wurden gefangen genommen und nach Schwyz geführt, den Einsiedlern raubten sie das Vieh. Schulmeister Rudolf von Radegg hat den Überfall als Augenzeuge in seinem Gedicht «Capella Heremitana» dargestellt und charakterisierte die Schwyzer als «Menschen, die man nicht Menschen nennen kann» und «als Ungeheuer bezeichnen müsse». Die Fürsprache der Grafen von Habsburg und Toggenburg setzte der Gefangenschaft der Mönche ein Ende. Den Abt aber konnten die Schwyzer nicht dingfest machen, er war mit den wichtigsten Urkunden nach Pfäffikon in den festen Turm geflohen.

Der Überfall von 1314 war das auslösende Moment zur Morgartenschlacht. Als Schirm- und Kastvögte konnten die Habsburger die Untat nicht ungesühnt lassen. Sie bot zugleich die Möglichkeit, dem Freiheitsstreben der Schwyzer Einhalt zu gebieten. Der Ausgang des Morgartenkrieges aber beraubte den Abt der Möglichkeit, den Marchenstreit zu seinen Gunsten zu beenden.

Erst 1350 gelang es dem Abt von Disentis, Thüring von Attinghausen, den Frieden zwischen Einsiedeln und Schwyz herbeizuführen. Allerdings verlor das Gotteshaus noch mehr von seinem Besitz. Der Marchenstreit kostete es 120 km², gut die Hälfte seines Territoriums, das es 1018 erhalten hatte. Die 1350 gesetzten Grenzen haben heute noch ihre Gültigkeit. ©

Einsiedeln unter Schwyz

Der Abt, gleichzeitig Reichs- und Kirchenfürst, konnte dem Hochgericht (Blutbann) nicht selber vorstehen und viele mit der Reichsabtei verbundene Aufgaben (Kriegs- und Waffendienst) nicht wahrnehmen. Um dem Kloster den weltlichen Arm zu leihen, das Recht zu weisen und es vor Gericht und Feinden zu verteidigen, setzte der Fürstabt Kast- und Schirmvögte ein, zuerst die Nellenburger, dann die Rapperswiler, bis das Amt erbweise an die Habsburger kam. Nach der Schlacht von Sempach 1386 besetzte Schwyz die Waldstatt Einsiedeln und riss die Vogtsgewalt an sich. Über das Kloster behielt Habsburg-Österreich die Schirmgewalt. Hugo von Thierstein,1396 Pfleger geworden, ging mit den Landleuten ein schirmverwandtes Verkommnis ein, und 1414 beschworen die Waldleute Schwyz das Landrecht. 1415 gelang es Ital Reding, von Kaiser Sigismund den Blutbann über Einsiedeln zu erhalten und 1417 die Vogtei über das Kloster an sich zu bringen. Das Schirmverhältnis zu Schwyz blieb bei wechselnder Strenge und Milde bis zur Französischen Revolution bestehen. ©

An der Schwelle des Mittelalters zur Neuzeit

Im Mittelalter war es strenge Übung, keinen Mönch ohne adeligen Abstammungsnachweis ins Kloster aufzunehmen. Albrecht von Bonstetten († 1502), einer der bedeutendsten Humanisten der Eidgenossenschaft, klagte, das Kloster sei lediglich Versorgungsstätte nachgeborener Söhne adeliger Eltern, die wenig Neigung zum Mönchtum hätten. Die Zahl der Mönche sank immer mehr, einzelne Klosterämter wurden gleichsam als Pfründen aufgeteilt. Damit verschlechterte sich die finanzielle Lage des Gotteshauses, das zu allem Unglück noch 1465 und 1509 schwere Brände zu erleiden hatte. Dabei nahm auch das Dorf Schaden. 

Seit 1510 lebte neben dem Abt, Konrad von Hohenrechberg (1480 – 1526), nur mehr ein Mönch im Gotteshaus: Diebold von Geroldseck († 1531) der als Pfleger eingesetzt war. Zur Betreuung des Chorgebetes und der Seelsorge mussten Abt und Pfleger Weltgeistliche berufen. So kam 1516 Ulrich Zwingli als Leutpriester nach Einsiedeln. Wenn er auch nur zwei Jahre hier verbrachte, war sein Einfluss durch Predigt und Lebenswandel derart, dass zeitgenössische Chronisten über die religiös-sittlichen Zustände in Einsiedeln Klage führen mussten. Geroldseck fiel 1531 mit seinem Freund Zwingli bei Kappel. Als Abt Konrad 1526 auf seine Abtei resignierte – er starb bald danach – holten die Schwyzer Ludwig Blarer, Dekan in St. Gallen, als Abt (1526 – 1544) nach Einsiedeln. Ihm und seinem Nachfolger, Joachim Eichhorn (1544 – 1569), ist es zu verdanken, dass das Benediktinerkloster U. L. Frau wieder erstarkte und neuer Blüte entgegenging. ©

Paracelsus - Ein grosser Einsiedler und Schweizer

Paracelsus - eigentlich Theophrastus Bombastus Aureolus, Philippus von Hohenheim - wurde 1493 oder Anfang 1494 in Einsiedeln geboren. Seine Mutter war ortsansässige Einsiedlerin, der Vater ein zugereister Arzt aus der Nähe des heutigen Stuttgart, welcher den Knaben nach dem Tod der Mutter 1502 nach Villach (Österreich) in sein neues ärztliches Arbeitsgebiet mitnahm. 

Paracelsus arbeitete als Hospitant an der Bergschule und als Laborant in den nahen Metallhütten und Mineralbergwerken. Seine medizinischen Universitätsstudien schloss er 1516 mit dem Doktorat in Ferrara ab. Danach wirkte er von 1519 bis 1520 als Feldarzt, bevor er sich 1524 als praktizierender Arzt in Salzburg niederliess. 1527 wurde Paracelsus zum Stadtarzt und Honorarprofessor an der Universität in Basel ernannt.

Bald geriet er in Konflikt mit der Fakultät und seinen Kollegen, denen seine neuartigen Auffassungen widerstrebten. Mit der Flucht aus Basel im Jahre 1528 begann für ihn ein bewegtes, lehrreiches Wanderleben und zugleich eine bedeutende schriftstellerische Tätigkeit. In St. Gallen und im Appenzellerland, wo er als Arzt und als Laienprediger wirkte, entstanden die ersten theologischen Aufzeichnungen (1532 / 33).

1541 kehrte Paracelsus nach Salzburg zurück, wo er noch im selben Jahr am 24. September verstarb. Da Paracelsus seiner Lebtag Leibeigener des Klosters Einsiedeln war, sandte der damalige Abt einen Mönch nach Salzburg, um den sogenannten Todfall (die dem Kloster testamentarisch zustehende Erbschaft), in diesem Falle einen silbernen Becher, einzuziehen.

Paracelsus entwickelte neue Arzneimittel mit Hilfe von anorganischen Verbindungen, durch die er die bisher üblichen Drogen und Pharmaka ersetzte. Zudem bezog er die Chirurgie ausdrücklich in seine Heilkunst ein.

Mit seiner ganzheitlichen Behandlung versuchte er eine Krankheit nicht nur zu diagnostizieren, sondern auch deren Ursache und Therapie in einem grösseren Zusammenhang zu sehen und zu deuten. Kosmische Einflüsse, aber auch seelische bzw. psychische Faktoren wurden mit einbezogen. Als Arzt, Alchimist, Philosoph und Theologe hat Paracelsus gerade heute wieder viel an Bedeutung gewonnen.

Erstmals gedachten die Einsiedler ihres berühmtesten Sohnes im Jahre 1941, anlässlich des 400. Todestages. 1993 wurde der 500. Geburtstag von Paracelsus gebührend gefeiert, um die Erinnerung an ihn im Gedächtnis der Bevölkerung wachzuhalten. ©

Die Jahrhunderte der grossen Baukunst

Wurde im 16. Jahrhundert, nach dem Niedergang, die klösterliche Zucht und das monastische Leben wiederhergestellt, so brachten das 17. / 18. Jahrhundert neben dem Aufleben der Wallfahrt herrlichste Werke der Kunst und Kultur hervor. 

Die grösste Schöpfung jener Zeit ist der heutige Kloster- und Kirchenbau. Das gotische Münster wurde niedergelegt. Ein Neubau, der in wesentlichen Teilen auf die Ideen des Laienbruders Caspar Moosbrugger (1656-1723) aus Au, Vorarlberg, zurückgeht, wurde in Angriff genommen. Süddeutsche und oberitalienische Meister, Maler, Freskanten und Stuckateure wetteiferten in der Ausstattung des Gotteshauses. 1718 war das Klosterviereck vollendet, 1735 konnte die Kirche geweiht werden. Es dauerte zusätzlich an die 60 Jahre, bis der südliche Klosterabschluss mit seinen Ökonomiegebäuden und Pferdestallungen fertiggestellt war. Diese klösterlichen Bauteile gehen in Bezug auf die Architektur zurück auf den Klosterbruder Kaspar Braun, der, wie sein Namensvetter Moosbrugger, aus dem Bregenzerwald stammte. So entstand in jahrelanger Arbeit ein Bau, wie es in ähnlicher Grösse und Geschlossenheit keinen in der Eidgenossenschaft gibt.

1975 wurde mit einer umfassenden Restauration des Kirchenraumes begonnen, die 1996 ihre Vollendung fand. Das Ziel dieser Arbeiten war die ästhetische Rückführung des Kirchenraumes in die Zeit seiner Entstehung. Konkret bedeutete dies unter anderem die Entfernung der im 19. Jahrhundert an die weissen Wände und Pilaster angebrachten Stucakaturen. Ebenfalls wurden die dunklen Farben der Kapitelle und in den Bereichen der Decken zu Gunsten eines hellen farbigen Eindrucks (rosa, grün, ocker) der originalen Farbgebung von 1735 angeglichen. Der vor der Restauration eher «schwer» wirkende Kirchenraum erhielt durch diese Arbeiten (Kosten etwa 40 Mio. Franken) seinen barocken Eindruck lichtdurchfluteter Leichtigkeit zurück.

Die Eidgenossenschaft, der Kanton Schwyz, der Bezirk Einsiedeln und viele ungenannte Gönner trugen mit ihren Beiträgen und Spenden zur Erhaltung einer der bedeutendsten Kulturstätten Mitteleuropas bei. Die Schweizerische Gesellschaft für Kunstdenkmäler brachte 2003 den hundertsten Band ihrer Buchreihe heraus. Dieser, geschaffen von Werner Oechslin und seiner Frau Anja Buschow Oechslin, vereint die neusten Forschungsresultate in Bezug auf den barocken Klosterbau und das Dorf. In interdisziplinärer Weise wird ein hervorragender Blick auf die komplizierte Baugeschichte der barocken Klosteranlage sowie die repräsentativen Teile des Dorfes geworfen. ©

Der Einsiedlerhandel

Gemäss ihm zustehendem Recht und geltender Ordnung konnte der Abt Ehehaften (Bäckerei, Mühlen, Tavernen usw.) sowie die Bewilligung zur Ausübung verschiedener Gewerbe erteilen oder einschränken. Abt Nikolaus Imfeld (1734 – 1773) ordnete an, dass ein Waldmann gleichzeitig nur zwei Gewerbe ausüben dürfe. 

Aufgeschreckt durch Ereignisse des Schwyzer Harten- und Lindenhandels (Befürworter und Gegner des französischen Solddienstes) wandten sich zehn Einsiedler wegen dieses Erlasses an Schwyz. Dort wollte man sich ihrer annehmen und für die Ausübung mehrerer Gewerbe einsetzen. Später mussten die Waldleute Ahndung wegen Ungehorsams gegen das Kloster erfahren.

Bei der Maiengemeinde 1764 kam es in der Waldstatt zu Tätlichkeiten. Das Waldstattarchiv wurde durch Unbotmässige untersucht, ob sich dort nicht Urkunden für ihre geforderten Rechte fänden. In Schwyz wurde der Stiftskanzler gefangen genommen.

Als sich aber der Harten- und Lindenhandel zugunsten der Franzosenfreunde wendete, machte man den rebellierenden Einsiedlern den Prozess.

Drei Rädelsführer liess das Gericht 1766 auf der Weidhuob in Schwyz hinrichten. Die abgeschlagenen Köpfe mussten nach Einsiedeln gebracht und am Hochgericht auf dem Waldweg angenagelt werden. Andere Rebellen hatten harte Strafen auf sich zu nehmen und Abbitte zu leisten.

Man kann den Einsiedlerhandel 1764 – 1767 zusammen mit den weitern Aufständen in der Eidgenossenschaft als Wetterleuchten der kommenden politischen Umwälzung, der Französischen Revolution, betrachten. ©

Morgenrot einer neuen Zeit

Von Frankreich her drangen gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Ideen politischer Neuerungen in die Eidgenossenschaft. Freiheitliche Gedanken machten sich breit, Untertanengebiete kündeten der Obrigkeit den Gehorsam auf. Die Tagsatzung war unfähig, etwas gegen die Neuerungen zu Unternehmen. Bern wurde von den französischen Truppen angegriffen. Die Einsiedler hatten Hilfgruppen zu stellen. 

Mit dem Fall Berns war der Weg frei, den eidgenössischen Orten die Helvetische Verfassung aufzuzwingen. Schon zu Beginn des Jahres 1798 hatte Abt Beat Küttel mit den Waldleuten ein Abkommen getroffen, wodurch sie einige Rechte zugestanden erhielten.

Am 18. Februar erklärte Schwyz Einsiedeln frei und dem Alten Lande gleichberechtigung. Schwyz weigerte sich, die Helvetische Verfassung zu beschwören, Frankreich wollte es mit einem kriegerischen Zuge dazu zwingen. Die Einsiedler besetzten unter Pfarrer Marian Herzog den Etzel. Bei Rothenthurm besiegten die Landleute unter Alois von Reding die Welschen. Als es für diese unmöglich wurde, die Schindellegi zu halten, zogen sich die Waldleute vom Etzel zurück. Am 3. Mai besetzten die Franzosen Einsiedeln. Am 17. Mai 1798 erfolgte die formelle Aufhebung des Klosters, der Stiftbesitz wurde als Nationaleigentum erklärt. Die meisten Mönche flohen, Kirche und Kloster wurden geplündert und die Gnadenkapelle niedergelegt. Damit hörte die Wallfahrt nach Einsiedeln auf, und grosse wirtschaftliche Not machte sich bereit, die durch Tragung der Besatzungskosten nur grösser wurde.

Nach dem Amnestiegesetz vom 18. November 1801 kehrten die Konventualen allmählich wieder zurück. Die Mediationsakte Napoleons erklärte die Aufhebungsakte von 1798 als nichtig, das Kloster konnteneu erstehen. Das frühere Untertanenverhältnis lebt aber nicht wieder auf. Einsiedeln wurde politisch selbstständig. ©

Der Kampf um politische Gleichberechtigung

Am 5. Januar 1804 wurde Einsiedeln ein schwyzerischer Bezirk. Das ehemalige Alte Land beanspruchte für sich aber Vorrechte, welche die Souveränität der neuen Bezirke arg beschnitten. Diese mussten sich, wenn auch verbittert und eigener staatlicher Verwaltung noch unfähig und wenig erfahren, mit den Nachteilen bereit erklären. 

Die Verfassung von 1821 änderte an der Hintansetzung der ehemaligen Untertanengebiete zum Alten Land wenig, obschon sich die Vertreter der neuen Bezirke bereits 1814 in Einsiedeln getroffen hatten und sich als Nebenbehörde zu jener von Schwyz proklamierten. Gut fünf Monate gab es zwei Behörden im Kanton Schwyz. Dann gelang es von aussen, eine Annäherung herbeizuführen.
  
1830 reichten die äusseren Bezirke, unter ihnen auch Einsiedeln, ein Begehren nach Erlass einer neuen Kantonsverfassung ein, in welcher die Vorrechte des Innern Landes zugunsten der neuen Bezirke geändert werden sollten. Der Kantonsrat ging auf das Gesuch nicht ein.
  
Neben Franz Joachim Schmid und Dr. Melchior Diethelm aus Lachen setzten sich in Einsiedeln Bezirksammann Josef Carl Benziger (1799 – 1873) und Ratsherr Matthias Gyr vehement für die Unabhängigkeit des äusseren Landes ein. Am 6. Januar 1831 trafen sich in Lachen gegen 3000 Stimmbürger, stellten erneut Forderungen an Schwyz und drohten, falls man ihnen nicht Gehör schenke, die Bezirke March, Pfäffikon, Einsiedeln und Küssnacht unter einer neuen selbständigen Behörde zu vereinigen und die Organisation eines eigenen Kantons an die Hand zu nehmen.
  
Die Landsgemeinde vom 23. Januar 1831 lehnte eine Kantonstrennung ab und beschloss, an den Verhältnissen von 1814 festzuhalten. Am 20. Februar 1831 trennte sich die March administrativ von Schwyz. Einsiedeln und die übrigen äusseren Bezirke folgten nach. Am 26. Juni 1831 fand auf dem Brüel zu Einsiedeln die erste ausserschwyzerische Landsgemeinde statt. Jene vom 15. April 1832 beschloss am gleichen Ort die Ausarbeitung einer Verfassung für den eidgenössischen Halbkanton «Schwyz, äusseres Land». Die Tagsatzung anerkannte – nachdem alle eidgenössischen Vermittlerversuche gescheitert waren – den neuen Kanton und gewährte eine halbe Standesstimme. Einsiedeln und Lachen waren abwechslungsweise Hauptort des neuen Standes. Schwyz verwahrte sich gegen die Trennung. Es kam sogar zu kriegerischen Auseinandersetzungen, vor allem in Küssnacht, worauf das Äussere Land die Eidgenossen um Hilfe anging. Nun wurde der ganze Kanton Schwyz von eidgenössischen Truppen besetzt. Bundes-Kommissäre versuchten eine Wiedervereinigung herbeizuführen und eine neue Verfassung durchzubringen.
    
Sie wurde am 13. Oktober 1833 in Rothenthurm angenommen. Zum ersten wieder gemeinsamen Landammann erkoren die Stimmbürger Nazar von Reding (1806 – 1865), dem es gelang, den Kanton Schwyz zu einem untrennbaren Gebilde werden zu lassen.
  
In die Verfassung von 1833 sowie in jene von 1848 flossen einige wichtige Ideen des seinerzeitigen Grundgesetzes des Äusseren Kantons ein. ©

Vom einstigen Recht in der alten Waldstatt

Es mag für die Heutigen, deren Leben durch Bundes- und Kantonsgesetze genau geregelt ist, interessant sein zu vernehmen, nach welchen Grundsätzen und Rechtsnormen in der alten Waldstatt Tun und Handeln geordnet waren. 

Die ältesten Rechtsquellen in Einsiedeln bildeten der «sonderbare Hofrodel» aus dem 15. Jahrhundert und das Waldstattbuch von 1572. In den beiden Rechtsbüchern war die Lebensweise der Waldleute umschrieben. Sie enthielten privatrechtliche Bestimmungen, Weisungen über Frieden und Ordnungen bei Friedensbruch, Richtlinien für Eigentum und Dienstbarkeiten, für die Setzung von Gülten und das Pfandrecht, das Zug- und Erbrecht, das Eherecht und für Vormundschaften, aber auch strafrechtliche und polizeiliche Weisungen. 1702 sind die früheren Rechtsbestimmungen in der «Waldstattverordnung» zusammengefasst worden. Hinzu kamen die Umschreibungen der das Recht ordnenden und wahrenden Behörden: Session, Waldstattrat, Gericht, Maien- und Herbstgemeinde.

Unter Maien- und Herbstgemeinde verstand man das sogenannte Jahrgericht. Ihm, dem Jahrgericht, kam in gewissem Sinne eine selbstständige Gewalt zu. Wer über Boden verfügte, hatte am Jahrgericht zu erscheinen, musste mehren und stimmen.
  
Dem von den Schwyzern aus der Reihe der Waldleute bestellten Schirmvogt kam keine eigene Gewalt zu. Die höhere Gerichtsbarkeit und die Beratung aller Gegenstände, welche die Waldstatt betrafen, mussten im Beisein des Stiftsammanns, des Schwyzer-Vogtes, durch die Waldleute am Jahrgericht geregelt werden. Der Vogt schwor an dieser Versammlung, des Landes Schwyz und der Waldstatt Nutzen und Ehre, vorbehältlich der Rechte des Klosters, zu fördern. Gleiches taten die Einwohner.
  
Alle Beschlüsse erlangten am Jahrgericht nur Rechtskraft, wenn die Drei Teile - Kloster, Vogt und Waldstatt - sich einig waren. Aus diesem Rechtsumstand ergab sich der Begriff und die Benennung «Drei Teile», deren Behörde die Session war.
  
Dieser Gemeindebehörde gehörten an: die Abgeordneten des Fürstabtes, der Vogt als Delegat der Schwyzer Landeshoheit, der Statthalter und Altvogt namens der Waldleute. Die Session besorgte die Gmeindeangelegenheiten, verwaltete das gemeinsame Vermögen und verfügte über das Polizei-, Schul- und Armenwesen. Veräußerungen des Gemeingutes kamen dem Jahrgericht zu.
  
Der Session untergeordnet war der Waldstattrat, bei welchem der Vogt, beziehungsweise der Statthalter, den Vorsitz führte. Dem Rat kam eine besondere Form der Gemeindegutsverwaltung zu, wie Holzausteilet aus den Allmeindwäldern, Zuweisung von Rietern usw. Er vertrat die Waldstatt gegenüber dem Kloster.
  
Die Gerichtsbarkeit hatte der Abt als Grundherr inne. Er bestellte den Ammann als Vorsitzenden des Richtergremiums, die Richter und den Weibel. Dem Gericht konnten nur Waldleute angehören. Wer nicht Gotteshausmann, also Waldmann, war, durfte nicht zu Gericht sitzen und nicht Recht sprechen. Bussen, vom Waldstattgericht ausgefällt, wurden durch den Säckelmeister von Schwyz eingezogen.
  
Zu diesem Zwecke hatte er jährlich zweimal nach Einsiedeln zu kommen. Urteile des Waldstattgerichtes konnten an das Appellationsgericht weitergezogen werden. Es bestand aus einigen Konventualen und Waldleuten, welche früher irgend ein Amt bekleidet hatten. Wurde ein Urteil gegen den Abt angefochten, so hatten die sechs Dinghöfe den Fall zu behandeln.
  
Der Blutbann gehörte den Schwyzern. Malefizische, das heisst schwere Vergehen, waren durch die Behörden der Waldstatt zu untersuchen und zu beurteilen.
  
Doch mussten solche Fälle nach Schwyz berichtet werden, und der dortige Rat nahm den Vollzug vor. Erging zum Beispiel ein Todesurteil, so hatte der Weibel namens des Gotteshauses mit dem Schwert in der Hand dabei zu sein.
  
Neben diesen Gerichten kannte man - wie in Schwyz und an andern Orten - auch das sogenannte Strassengericht. Der Weibel musste unbescholtene Männer verpflichten, in dringenden Fällen auf offener Strasse Recht zu sprechen.
  
Das Hypothekar-, Notariats- und Pfandwesen war als Bestandteil der niederen Gerichtsbarkeit Sache des Klosters. Es führte zu diesem Zwecke eine eigene fürstliche Kanzlei mit Kanzler, Substituten und Schreibern. Dort wurden Briefe, Gülten, Pässe und Verträge erlassen und ausgefertigt.
  
Neben den geborenen Waldleuten kannte man in Einsiedeln Bei- oder Hintersässen, welchen nicht die vollen Rechte eines Waldmannes zukamen und nur beschränkte Nutzung am Gemeingut geltend machen konnten. Wollte ein Hintersässe im Hochtal Wohnsitz nehmen, bedurfte er dazu der Erlaubnis der Drei Teile. Er hatte zudem ein Kautions- und Einzugsgeld zu entrichten. Den Bei- und Hintersässen war es unbenommen, ein Gewerbe zu betreiben, lediglich das Fischen in den Flüssen und Bächen war ihnen untersagt.
  
Mit der Französischen Revolution hörte das eigene Recht der Waldleute auf. Seither sind Regierungsgewalt, Verwaltung und Gericht nach den schwyzerischen Rechtsnormen geregelt, wie das in jedem anderen schwyzerischen Bezirk der Fall ist. ©

Vom Herkommen der Einsiedler

Der schwyzerische Geschichtsschreiber Thomas Fassbind hatte nicht Unrecht, wenn er zu Beginn des 19. Jahrhunderts schrieb, die Einsiedler seien «ein von allerlei Ländern zusammengeloffenes Volk, ursprünglich Elsässer, von den Äbten an- und aufgenommen». Man kann in den Gefolgsleuten Eberhards im Jahre 934 die ersten Einwohner erblicken; sie kamen aus der Gegend von Strassburg. Im Elsass hatte das Kloster schon früh Besitzungen, so zu Sirenz und Riegel, wo 1289 ein Keheli – vielleicht ein Vorfahre der heutigen Kälin – Zinsen zu bezahlen hatte. In der Folge kamen Leute aus andern klösterlichen Besitzungen ins Hochtal. Andere hat man immer wieder ins Waldstattrecht aufgenommen. Diese Neubürger haben sich bestens akklimatisiert.
  
Ursprüngliche Einsiedler Geschlechter sind die Bingisser (1535) Birchler (1331), Bisig (1331), Eberle (1331), Fuchs (1230), Füchslin (1331), Grätzer (1356), Kälin (1319), Kuriger (1309), Lacher (1331), Lienert (1500), Ochsner (1311), Öchslin (1470), Ringli (1356), Ruhstaller (1331), Schädler (1356), Schönbächler (1356), Steinauer (1331), Weidmann (1356), Zehnder (1331) usw. Den Kälin begegnet man in einem Abkommen von 1319 zwischen den Klöstern Einsiedeln und Rüti. Aufnahme ins Waldstattrecht fanden unter anderen die Benziger 1584, die Effinger und Gyr 1520, später die Kengelbacher, Trinkler, Wikart, Zingg usw. Die Curiger stammen von den Zangger in Egg ab; die Zehnder schrieben sich einst zum Teil Zehder.
  
Wappenfähig waren die Einsiedler nie. Aus den Hauszeichen sind die jetzigen Wappenschilder entstanden, einige sind sogenannte sprechende Wappen. Die Schilder der alten Waldleutegeschlechter sind an der Dachuntersicht des Rathauses hingemalt.
  
Der frohmütige, aufgeschlossene Charakter der Einsiedler, aber auch ihre Anpassungsfähigkeit und ihr Sinn für strenge Arbeit – und es sei nicht verschwiegen, für das Festen – mag ebenfalls ein Angebinde der elsässischen Urheimat sein. ©

Die Namensdeutung Einsiedeln

Älteste Formen: Einsiedeln (979, 1073), Einsiedeln, Einsidla. 

In der Frühzeit auch Meinradszelle und Eberhardszelle, Maria zum Finsteren Wald, usf. geheissen. Der Name leitet sich von den Waldmönchen ab, die sich hier im 10. Jahrhundert an mehreren Orten (Einsiedeln, Willerzell, Bennau) angesiedelt haben. Der Begriff "die Waldstatt" lehnt sich an die Bezeichnung "Zum Finsteren Wald" an, tauchte aber erst im 14.Jahrhundert auf. Im Dorf Einsiedeln selber leben etwa 8300 Einwohner, das sind 65% der Bevölkerung des Bezirkes. ©

Die Einsiedler Mundart

Der Einsiedler Dialekt ist ein Teil des Alemannischen. Man kann mit ihm auf unnachahmliche Weise sowohl der echten Fröhlichkeit als der tiefen Trauer Ausdruck geben. Charakteristisch ist, dass die Vokale o, e und i meist stark zerdehnt werden, wie etwa bei Lejhrer, Schneej, Beejri, Chilechouf, Broud, chou, schnye, ghye, verbiy usw. Wegen der vielen Diphtonge ihrer Sprache werden die Waldleute - hier seien nur als Beispiele angeführt: Chlouster, Mou, Oubed, hüüroute, Strouss, schöin - von den Fremden gern gehänselt.

Aufgrund der respektablen Zuwanderung der letzten Jahre geschah mit dem Dialekt dasselbe wie an anderen Orten auch: Seine «Kantigkeit» wurde zugunsten von mehr Weichheit im Ausdruck verflacht. Die Dynamik der Sprache fängt an, ihre Spuren zu hinterlassen.

Gerade aufgrund seiner originalen Herbheit eignet sich der Einsiedler Dialekt vorzüglich für Sang, Vers und Reim, wie das Meinrad Lienert (1865-1933) in seinen Gedichten und Erzählungen bewiesen hat. Vor ihm gab es wenige, welche die Mundart der Waldleute in Geschichten und Gedichten verwendet haben, etwa die geborene Zürcherin Elisabeth Bodenmüller-Lavater (1789-1877). Meinrad Lienerts Werke gehören zum Schönsten, was die Schweizer Mundart-Dichtung hervor¬gebracht hat. Er verstand es, die innigsten Regungen des Herzens und der Seele darzustellen. Nicht umsonst sind zahlreiche Verse Lienerts vertont worden. Sie gehören zum Allgemeingut der Sänger- und Jodlerchöre unseres Landes (Siehe CD «D'Muettersproch», Gedichte und Lieder von Meinrad Lienert, erschienen 1996 bei Radio DRS1).

Nach Meinrad Lienert hat sich auch sein Neffe, Otto Hellmut Lienert (1897-1965), der Einsiedler Mundart bedient. Die sprachlichen Unterschiede der Einsiedler- und der Schwyzer-Mundart kann man im Hochtal sehr gut ablesen. Hinter Euthal liegt die trennende Sprachgrenze. Die Waldleute bedienen sich der Wörter frouge, Beejri, nüd, abä, zVäsper, Hour, wofür die Schwyzer im Ibrig traage, Beeri, nid, appä, zAabig, Haar verwenden. ©

Die Siedlungen

Um das Dorf Einsiedeln, das erst 1073 unter dieser deutschen Bezeichnung aufscheint, haben sich neben den Streusiedlungen im Hochtal einzelne Dörfer entwickelt. 

Das Dorf Einsiedeln ist mehrmals dem Feuer zu Opfer gefallen, so 1509 und letztmals 1680. Der Grossteil der Häuser, unter anderem auch das Rathaus und das Beinhauskirchlein, fielen in Schutt und Asche. Schon früh kannte man eigentliche Feuerordnungen. Die Dorfsiedlung wurde dabei in bestimmte Quartiere eingeteilt. ©

Von den Genossamen im Bezirk Einsiedeln

Den vorausgehenden Darlegungen ist zu entnehmen, dass das Kloster Einsiedeln von Kaisern und Fürsten das Gebiet des Hochtals der Sihl und Alp geschenkt erhielt. Die Mönche rodeten zusammen mit ihren Gefolgsleuten den Wald und machten das Tal urbar, so dass es genutzt werden konnte. Das Kloster gab nicht nur Lehensgüter an seine Untertanen ab, sondern es stellte ihnen gewisse Gebiete zum gemeinsamen Nutzen zur Verfügung. Wald, Weide und Alpen wurden so zu gemeinsamer Allmeinde. Weil nicht freie Bauern Eigentümer der Allmeindgüter waren, sondern diese vom Kloster zur freien Benutzung zur Verfügung gestellt wurden, muss man hier von einer «Hofgenossenschaft» und nicht von einer Marktgenossenschaft wie in Schwyz sprechen. Die Einsiedler Allmeinde entstand also nicht aus eigenem, sondern aus fremdem Recht. Somit kommt dem Kloster die Begründung der Allmeinde – und später der Genossame – zu.
  
An den gemeinsamen Gütern (Allmeinden) hatte das Gotteshaus Anteil. Als 1386 die Schwyzer nach Einsiedeln gezogen waren und das Gebiet unter ihre Hoheit nahmen, hatten auch sie neben dem Kloster und den Waldleuten Rechte an den Allmeinden. Es bildete sich der Begriff der «dreizerteilten Güter», eine Bezeichnung, der man erstmals 1399 begegnet. Unter Abt Joachim Eichhorn (1544 – 1569) wurde ein Vertrag bezüglich der Nutzung der Allmeinden ausgehandelt. Darin ist festgelegt, dass das Hauptgut an den gemeinsamen Allmeinden ungeschmälert erhalten werden müsse; die Zinsen aber sollten zu deren Nutzen verwendet werden. Der Ertrag der «dreizerteilten Güter» hatte für den allgemeinen Gemeindehaushalt zu dienen. So blieb es bis zur Französischen Revolution. Die Munizipalität benützte die Allmeinderträge ebenfalls für den Gemeindehaushalt. An der Landsgemeinde vom 22. Januar 1837 wurden die Güter der ehemaligen Drei Teile, die zeitweilig wieder dem Kloster beziehungsweise der «Genossenschaft Einsiedeln» gehörten, vom Besitztum des Bezirkes ausgeschieden. Es bildete sich erneut «die Genossame Einsiedeln».
  
Mit dem Übergang von Eigentum und Nutzniessung an die Genossame wurde der ursprüngliche Zustand der «gemeinsamen Allmeinden» wieder rechtens hergestellt.
  
Um eine rationellere Bewirtschaftung der grossen Güter bewerkstelligen zu können, teilten die Genossen 1849 ihr Vermögen unter die Dorf- und Viertelsbewohner auf und schufen damit die sieben selbständigen, voneinander in allen Beziehungen unabhängigen Allmeindkorporationen Dorf-Binzen, Bennau, Egg, Willerzell, Euthal, Gross und Trachslau. Einige Grundstücke, so der Duliwald, und besondere Rechte am Hauptplatz, am Rathaus und Kernenhaus sowie am Brüel, blieben bis heute in gemeinsamer Verwaltung bis in die Neuzeit.
  
Die einzelnen Genossamen wählen ihren Genossenrat. Wichtige Beschlüsse werden an der Genossengemeinde gefasst, wo auch die Rechnungsabnahme und die Budgetberatung erfolgen. Genossenbürger wird man in Einsiedeln nur durch durch Abstammung. Die Genossamen tragen wesentlich bei für das Gemeinwohl aller Einwohner des Bezirkes, indem sie grosse Lasten für den Strassenbau, für Bachwuhren und für die Verbesserungen der Alpen und Weiden auf sich nehmen. Sie sind weiter ein tragendes Element der Selbstbestimmung und des Verwurzeltseins in Heimat und Gemeinschaft.
  
Jedes Viertel verfügt über eine Kirche und Schule. In neuer Zeit wurden verschiedene Schulhäuser renoviert oder neu erstellt und mit Räumlichkeiten ausgestattet, die den Viertelsbewohnern ein eigenständiges Lebensgefühl in einer überschaubaren Umgebung garantiert. ©

Verkehrsverhältnisse

Wie sich die Lichtstrahlen in einem Brennglas sammeln, so treffen sich von allen Richtungen der Windrose die Strassen auf dem Platz vor der Klosterkirche. Im Laufe der Jahrhunderte sind die ursprünglichen Fusspfade und Pilgerwege zu Strassen geworden. Das änderte sich vor allem, als um 1860 / 1862 die Strasse über das Rabennest nach Einsiedeln gebaut wurde. Ebenfalls von grosser Bedeutung war der Baubeginn der SOB-Linie Wädenswil – Einsiedeln im Jahre 1877.
  
Schiene und Strassen ermöglichen es heute den vielen Besuchern aus allen Himmelsrichtungen, das Einsiedler Hochtal im Sommer und Winter mit Leichtigkeit zu erreichen. Ein Parkhaus im Oberdorf, unmittelbar in der Nähe des Klosters, und ein weiteres im Unterdorf bieten den Automobilisten Parkpltze in ausreichender Zahl. Ausgehend von der Bahn- und Poststation werden die umliegenden Dörfer des Bezirkes Einsiedeln und die Regionen Alpthal und Ybrig mit Postautoverbindungen erschlossen.
  
Verschiedene Bergbahnen und Skilifte in der Region Einsiedeln laden die Gäste ein, zu allen Jahreszeiten die herrlichen voralpinen Landschaften in und um Einsiedeln zu geniessen. ©

Der Sihlsee

Johann Wolfgang Goethe hat auf der Schweizerreise 1797 in seinem Tagebuch vermerkt, dass die Wasser der Sihl bei Schindellegi «zur Wässerung und Werken in die unterhalb liegende Gegend» geleitet werden sollten, «ein Unternehmen, das freilich in einem demokratischen Kanton und bei der Kompliziertheit der Grundstücke, die es betreffen würde, nicht denkbar ist». Und doch wurde viel später diese Idee - wenn auch in abgeänderter Weise - Tatsache. 

Um 1897 ist ein Projekt Kürsteiner diskutiert worden, das vorsah, die Wasser der Sihl bei der Schlagen zu stauen und unter Ausnützung des Gefälles für ein Elektrizitätswerk zu nutzen. Den Gedanken übernahm die 1929 gegründete Etzelwerk AG (SBB und NOK). Es gab wohl keine so wichtige offene Landsgemeinde, wie jene von 1926, als an die Schweizerischen Bundesbahnen mit Zweidrittels-Mehrheit die Konzession zum Bau des Sihlsees erteilt wurde. Diesem Beschluss gingen langwierige Verhandlungen bezüglich der Landentschädigung, des Strassenbaus und der Erstellung von Viadukten zwischen dem westlichen und östlichen Seeufer voraus. Bereits 1925 hatte die Baukommission für den zu erstellenden Stausee um die 85 % des benötigten Landes erworben. Diskussionen über die Höhe des Stauwerkes, die Abgeltung von Inkonvenienzen, wegen der Entschädigung an die Bauern und Genossamen, welche Land abzutreten hatten, strapazierten die Geduld der Behörden und Einwohner wie der am See Interessierten.
  
Wegen der herrschenden allgemeinen Arbeitslosigkeit entschloss man sich, bereits 1932 mit den Bauarbeiten zu beginnen. Zuerst mussten die Strassen um den geplanten See, etwa 29 km, erstellt werden. Dann folgten die beiden Viadukte Birchli - Willerzell und Steinbach -Ruostel, der eine 1115, der andere 412 Meter lang. Das wichtigste Bauwerk, die Staumauer bei der Schlagen, hat eine Höhe von 28 m, eine Kronenlänge von 124 m, eine Mauerkubatur von 28 000 m3. Der Druckstollen von der Staumauer bis zum Wasserschloss misst 2900m, jener vom Wasserschloss zum Maschinenhaus in Altendorf 2200 m. Die Ausmasse des Sihlsees sind: 8,5 km grösste Länge, 2,5 km grösste Breite, 25 m grösste Tiefe; 11,3 km2 Fläche, somit flächenmässig grösster Stausee der Schweiz, Stauhöhe: 892,60 m ü. M. Heutiger Alleineigentümer der Etzelwerk AG sind die SBB. Sie benötigen den Sihlseestrom für die Eisenbahn. Am 1. Mai 1937 wurde mit dem Stau begonnen, und im Oktober konnte die kirchliche Weihe vorgenommen werden.
  
Die Opferbereitschaft der Einsiedler Bevölkerung war gross. Sie setzte im Interesse der Allgemeinheit Eigennutz hinter Gemeinnutz. Um die 11 Mio. m2 Grund und Boden mussten die Waldleute an die Konzessionsnehmer abtreten. Davon gehörten 46,7 % den Genossamen, 53,3 % waren privater Besitz. Von dem verkauften Land waren 14 % unproduktiv, 45 % Torf- und Streuland, 41 % Pflanz-, Wies- und Weidland. 356 Heimwesen mit einer Bevölkerung von rund 1800 Personen wurden durch den Bau des Sihlsees irgendwie in Mitleidenschaft gezogen. 107 Familien mussten ihre angestammte Heimat verlassen. 34 Haushaltungen konnten in Neuansiedlungen um den See und in dessen Nachbarschaft eine neue Wohnstatt finden.
  
Heute sieht niemand mehr, dass der Sihlsee künstlich angelegt wurde. Er erfreut Anwohner wie Fremde. Fischer suchen den See gerne auf und machen reichen Fang. Segler und Surfer lieben es, die Wasser zu befahren. Rund um den See sind zahlreiche Ferien- und Wochenendhäuser entstanden. Am Bergwasser finden viele Ruhe, Entspannung, Erholung und Kraft für den Alltag. ©

Pastorationsverhältnisse im Bezirk Einsiedeln

Der Abt des Klosters hat seit eh und je die Einwohner des Klostergebietes - später des Bezirkes Einsiedeln - durch seine Konventualen seelsorglich betreuen lassen. Zur Zeit des Niedergangs haben Weltgeistliche, Leutpriester, im Auftrag des Klosters diese Aufgabe übernommen. Die Pfarrei Einsiedeln entstand demnach als Patronatspfarrei. Einsiedeln besitzt rechtlich nur eine Pfarrei. Die Pfarrvikariate der einzelnen Viertel unterstehen dem Pfarrer von Einsiedeln. Auch eine eigentliche Pfarrkirche kennt Einsiedeln nicht. 

Das Kloster stellt die Stiftskirche für pfarreiliche Gottesdienste und Anlässe zur Verfügung. Sie ist zugleich Pfarrkirche aufgrund alter, überlieferter Rechtsordnung. Bis etwa 1850 besassen zwar die Waldleute ein eigenes Gotteshaus. Sie hatten aus eigenen Mitteln eine Beinhauskirche erbauen lassen, in welcher die Totengedächtnisse und Seelgottesdienste gehalten wurden. Beim Bau der Beichtkirche ist die Kapelle unter Abt Augustin Reding (1670-1692) niedergelegt worden. Mitte des letzten Jahrhunderts hat man sie aufgegeben. Sie ist durch die Benediktskapelle auf dem Friedhof überflüssig geworden.
  
Die Pfarrvikariate datieren aus dem letzten Jahrhundert: Euthal 1844, Willerzell 1848, Gross 1878, Egg 1887 und Bennau seit 1942. Hatten früher alle Pfarrvikariate einen residierenden Seelsorger, ist dies heute nicht mehr der Fall. Die Viertel werden direkt vom Kloster aus betreut. Aufgrund der angespannten Personalsituation des Klosters, wollte der Abt für das Dorf und die Viertel keine eigenen Pfarrherren mehr stellen. Die angestrebte Strukturbereinigung geht nun aus von zwei Pfarrherren in Personalunion, denen ein weltlicher Administrator zur Seite steht.
  
1974 haben die katholischen Einsiedler eine öffentlich-rechtlich anerkannte Kirchgemeinde egründet, in welcher die Kirchgenossenschaften der Viertel aufgingen. Die römisch-katholische Kirchgemeinde Einsiedeln besteht rechtskräftig seit dem 1. Januar 1975. Ihr gehören alle im Bezirk Einsiedeln wohnhaften Katholiken an. Oberstes Organ ist die Kirchgemeindeversammlung. Das ausführende und verwaltende Organ ist der Kirchenrat, der aus 15 Mitgliedern besteht.
  
Die Gläubigen evangelisch-reformierter Konfession genossen in Einsiedeln immer freundliche Toleranz. Anfänglich lag die Pastoration der reformierten Gläubigen beim Pfarramt Oberarth, dann beim Pfarramt Höfe. Gottesdienste hielten sie bis 1943 in einem Schulzimmer, dann durften sie in die neuerbaute Kirche an der Spitalstrasse einziehen.
  
Seit 1957 gibt es eine evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Einsiedeln mit eigenem Steuerrecht. Ihr gehören die im Bezirk Einsiedeln und den politischen Gemeinden Rothenthurm, Oberiberg, Unteriberg und Alpthal wohnhaften Glaubensgenossen an. Auch die evangelischreformierte Kirchgemeinde kennt die Kirchgemeindeversammlung als oberstes Organ. Vollziehendes und verwaltendes Organ ist der Kirchgemeinderat. Er besteht aus sechs Mitgliedern. Die Gemeinde wird seit den 1970-Jahren von einem hier ansässigen Pfarrer betreut. ©

Das Frauenkloster Au / Beginen und Waldbrüder

Im frühen Mittelalter lebten in einiger Entfernung vom Benediktinerkloster sowohl Waldbrüder als Waldschwestern. Flurnamen erinnern noch an diese Eremiten, wie das Bruderhöfli in Willerzell. Der Name dieses Viertels geht ebenfalls auf Waldbrüder zurück. 

Am Ostabhang der Samstagern und des Katzenstricks lebten seit dem 14. Jahrhundert Beginen in einfachen Wohnhäusern. Diese standen in der Hagelrüti, der Alpegg und in der vordern wie hintern Au. Auch im Dorf war ein Haus von Schwestern, den «Willigen Armen», bewohnt. 1483 ist die grösste Schwestern-Sammlung, die in der vordern Au, zu einem Klösterlein ausgebaut worden. Abt Augustin Hofmann (1600-1629) hat es erweitert. Hier wurden die Schwestern der einzelnen Häuser vereint. Seit 1617 tragen die Schwestern den Benediktinerinnenhabit. Unter der Leitung von Einsiedler Konventualen - zeitweilig unter Kaplänen aus dem Weltpriesterstand - entwickelte sich das Klösterlein zu Allerheiligen in der Au recht gut.1648 brannte das Klostergebäude nieder. Es wurde unmittelbar wieder aufgebaut. Seit 1846 halten die Schwestern die Ewige Anbetung.
  
Die Benediktinerinnen erwerben sich ihren Lebensunterhalt durch fleissige Arbeit im Garten, in der Landwirtschaft und führen eine weitbekannte Web- und Paramentenstube.
  
Die Kirche, 1881 / 82 im basilikalen Stil errichtet, ist 1974 durch ein modernes Gotteshaus ersetzt worden. ©

Die Schulen

Der Bezirk Einsiedeln verfügt über ein gutes Schulsystem. Das Angebot der Volksschule umfasst: Kindergarten, Primarschule, Orientierungsschule oder Untergymnasium /Gymnasium. Einsiedeln Dorf umfasst vier Primarschulhäuser, in denen von der ersten bis und mit der sechsten Klasse unterrichtet wird. Als Spezialangebot führt die Schule eine Einführungsklasse. Dieses Angebot wurde für Kinder geschaffen, bei denen die Schulreife zweifelhaft ist. Sie verteilt den Schulstoff der ersten Klasse auf zwei Jahre. Schüler und Schülerinnen mit Teilleistungsschwäche steht das Angebot der Kleinklasse zur Verfügung. In der Orientierungsstufe wird diese Kleinklasse als Stammklasse C weitergeführt.
  
Im Dorf besteht die kooperative Orientierungsschule als eine geleitete Mittelpunktschule mit Stammklassen und diversen Niveauklassen für die individuelle Förderung der Schulbesuchenden.
  
Die sogenannten sechs Viertel des Bezirks besitzen alle ein eigenes Schulhaus oder sogar eine eigene Schulanlage!
  
Neben der Volksschule verfügt Einsiedeln über eine Musikschule mit vielschichtigem Angebot.
  
Die Stiftsschule des Klosters Einsiedeln, welche eine lange Tradition hat und auf die einstige Klosterschule zurückgeht, bietet sowohl das Langzeitgymnasium über sechs Jahre als auch das Kurzzeitgymnasium über vier Jahre an. Die Schule, die rund 260 externe Schülerinnen und Schüler umfasst, ist ein sprachlich-humanistisch orientiertes Gymnasium, dessen Ausbildung zur eidgenössisch anerkannten Matura führt.
  
Zur Maturitätsausbildung bietet sich zusätzlich die Möglichkeit, die Kantonsschule Pfäffikon zu besuchen.
  
Wenn heute die Schulen des Bezirks Einsiedeln einen recht guten Ruf besitzen, so brauchte es dazu viele Opfer und Zeit. Es sei nur daran erinnert, dass die meisten ersten Schulbauten in den vierziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts errichtet wurden. In alten Zeiten waren die Drei Teile für das Schulwesen zuständig. Es gab eine Deutsche und eine Lateinische Schule. Um das ehemalige Schulwesen haben sich vornehmlich die Pfarrgeistlichen gekümmert, die auch die eigentliche Oberaufsicht über den Unterricht führten. Seit Mitte des vorletzten Jahrhunderts hat sich der Kanton ordnend im Schulwesen engagiert. Es darf heute von einem sehr gut funktionierenden Schulsystem gesprochen werden, das für Anpassungen und Neuerungen stets offen ist.
  
Die Berufsschulen besuchen die Lehrlinge und Lehrtöchter in Lachen, Pfäffikon, Goldau und Zürich. Ergänzt wird das Bildungsangebot durch den 1874 gegründeten Fortbildungsverein Einsiedeln, welcher sich in der Erwachsenenbildung engagiert. Er beabsichtigt einen losen Zusammenschluss aller Anbieter von beruflicher und allgemeiner Erwachsenenbildung im weitesten Sinne. Mit dieser wertvollen Ergänzung darf in Einsiedeln getrost von einem umfassenden Bildungsangebot gesprochen werden. ©

Sternsinger

In neuerer Zeit wird das Sternsingen wieder aufgenommen. Schulkinder werden um Drei Königen herum ausgesandt, verkleidet als die Heiligen Drei Könige. Sie wandern von Haustüre zu Haustüre und singen religiöse Lieder. Die Geldspenden, die sie dabei erhalten, werden für Hilfsbedürftige im In- und Ausland verwendet. Als Dank werden die Anfangsbuchstaben der Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar über der Türe aufgemalt. ©

Fasnacht

Ende der «unheimlichen zwölf Nächte» ist der Dreikönigstag. Gegen Abend treicheln und läuten die Burschen die Fasnacht ein. Es beginnt die wohl übermütigste Zeit des ganzen Jahres. n der Waldstatt gibt es typische Fasnachtsfiguren, wie man sie sonst nirgends trifft: die Süühudi, Figuren mit selbstgefertigten Masken; die Joheen, einst verlumpte Senntenbauern, die nun die Treichel und den Stallbesen mit sich tragen; die Mummerien, wohl ausgelumpte Pferdehändler, das Rossgeschell umgehängt und den Rossschwanz in der Hand; der Teufel mit grossen Hörnern auf dem Kopf, eine Mistgabel in den Händen und eine lange Kette nachziehend, angeführt vom Fuhrmann mit der Geissel, eine Lederschürze umgebunden.
  
Joheen und Mummerien tragen alte holzgeschnitzte Masken im Biedermeierstil. Zusammen mit den Hörelibajassen werfen sie am Fasnachtsdienstag von drei Bühnen an der Hauptstrasse Brot unter das Volk. Die Umstehenden rufen im Chor: «I mir eis, i mir eis.» Ist der Güdelmontag dem Süühudiumzug gewidmet, so bringt der Dienstag zahlreiches Volk auf die Strassen, um dem alten Brauch des «Brouduusrüehre», beizuwohnen. Am Abend wird der Pagat (die Fasnacht) verbrannt. Damit endet die übermütige Fasnacht der Einsiedler. ©

Heilige Agatha

Der Agathatag, einst ein Lostag bei der Bauernsame, bringt gesegnetes Brot auf den Tisch. Es soll vor Feuer und Heimweh schützen. Der Brauch, beim Rosenkranz des St. Agathatages Kerzlein brennen zu lassen und aus dem Erlöschen auf die Reihenfolge von Todesfällen in der Familie zu schliessen, ist längst abgegangen. Hingegen wird der hl. Patronin noch beim Sterbegebet gedacht: «Heiligi Sant Agatha, wöllist üs behüete vor Füür und Blitz, vor em gäche und unversächne Toud». ©

Karwoche

Am Palmsonntag bringen viele Gläubige Buchs- und Palmzweige zur kirchlichen Weihe. Die geweihten Zweige werden dann hinter das Stubenkreuz gesteckt oder im Estrich hinter den Dachrafen aufbewahrt. Die Fastenzeit und die Kartage werden als betonten Kontrast zur wilden Fasnachtszeit wahrgenommen. Die festliche Liturgiene mit ihren emotionmalen Höhen und Tiefen, ziehen jeweils Tausende von Gästen nach Einsiedeln. Der Festlichkeiten der Kartage werden mitgetragen vom Stiftschor - der sich aus Sängerinnen und Sänger des Dorfes und Mönchen rekrutieren - und der herrliche Gesänge aus der grossartigen klösterlichen Musikbibliothek zur Aufführung bringt. ©

St. Georgsprozession

An vier Stellen segnete der Pater Statthalter das gläubige Volk und rief Gott um Verschonung vor Feuersbrunst und anderem Unglück an. Heute wird die Prozession (St. Jörgenumgang) nur mehr im Kircheninnern gehalten. ©

Bittgänge

Um den Tag St. Johann Baptista machen die Einsiedler einen Bittgang auf den Etzel. Dieser Brauch war ursprünglich eine Erinnerung an die Schlacht im Alten Zürichkrieg von 1439 und führte auf den Hochetzel, wo eine hölzerne Schlachtkapelle stand. Mit der Zeit ist das Ziel des Bittgangs nicht mehr einsichtig gewesen, und man suchte die St. Meinradskapelle auf dem Etzelpass auf. Andere Bittgänge führten nach Steinen, im letzten Jahrhundert bis vor einigen Jahren nach Biberegg; einer nach Oberiberg, später zur Schmerzhaften Mutter nach Euthal. Die beiden letztgenannten Bittgänge sind dem Verkehr zum Opfer gefallen. Den Bittgang auf den Etzel macht man jetzt an einem Abend um St. Johanni herum, die beiden andern sind durch einen Bittgang nach dem Frauenkloster in der Au abgelöst worden. ©

Chilbi

Die Erinnerung an die Weihe der Klosterkirche, die gleichzeitig Pfarrkirche der Einsiedler ist (1735), wird am 2. Mai (Kreuzauffindung) in rein kirchlicher Weise begangen. Hingegen ist immer am letzten Sonntag im August vor St. Verena und die beiden folgenden Tage in Einsiedeln Chilbi. Auf dem Areal des Brüelschulhauses wird ein eindrücklicher Vergnügungspark aufgebaut. 
  
Vor dem Alten Schulhaus und im Paracelsuspark sorgen die Ortsvereine mit teils originellen «Beizli» für das leibliche Wohl des Chilbivolkes. Am Sonntag findet in Anlehnung an die frühere Sennenbruderschaft auch das traditionelle Chilbi-Schwingfest auf dem Mätteli im Paracelsuspark statt. Am Montag und Dienstag ist zudem der St. Verena Vieh- und Warenmarkt ein zusätzlicher Anziehungspunkt. Die Einsiedler Chilbi: heijbsch guet! ©

St. Nikolaus / Weihnachten

Die Bräuche um St. Nikolaus und Weihnachten unterscheiden sich nicht stark von anderen Orten. Frühere Bräuche sind dem modernen Zeitalter gewichen. Auf der Hauptstrasse und auf dem Klosterplatz findet ab dem ersten Adventswochenende ein zehntägier Weihnachtsmarkt statt. Organisiert wird er vom Detailistenverein Einsiedeln-Ybrig und findet seitens der Bevölkerung eine gute Aufnahme. ©

Feiertage

In Einsiedeln kennt man - mehr als an anderen Orten - bestimmte Festtage:

  • 1. Januar: Neujahr
  • 6. Januar: Dreikönige
  • 21. Januar: Fest des hl. Meinrad, Gründer von Kloster und Dorf
  • 19. März: Fest des hl. Josef
  • Karfreitag
  • Ostersonntag und -montag 
  • Christi Himmelfahrt
  • Pfingstsonntag und –Montag
  • Fronleichnam mit Prozession 
  • Sonntag nach dem 16. Juli: Einsiedlerfest mit Pontifikalamt
  • 15. August: Maria Himmelfahrt mit Pontifikalamt
  • 14. September: Engelweihe mit feierlichen Gottesdiensten und abendlicher Lichterprozession
  • Erster Sonntag im Oktober: Rosenkranzfest mit Pontifikalamt und Prozession; Erntedankfest
  • 1. November: Allerheiligen
  • 8. Dezember: Fest der Unbefleckt Empfangenen Gottesmutter 
  • 25. Dezember: Weihnachtsfest
  • 26. Dezember: Nachheiligtag - Weihnachten; Fest des hl. Stephan
Kulinarisches

Typische Einsiedler Spezialitäten sind der Rosoli, ein Getränk, und der Meginrat, ein Likör, hergestellt nach altem Klosterrezept. Nur in Einsiedeln ist das «Ofenturli» bekannt, ein Kartoffelkuchen mit viel Käse, Eiern und Zwiebeln. Überhaupt versteht man es in Einsiedeln, aus Kartoffeln die vielfältigsten Speisen herzustellen. Die «Gumel» waren über zwei Jahrhunderte hinweg die bevorzugte Speise, die täglich mehrmals und immer wieder anders auf den Tisch kam. 

In den kulinarischen Bereich gehören die von den Pilgern gern gekauften Schafböcke und Lebkuchen. Die Schafbockbäcker sind erstmals 1631 urkundlich fassbar. Sie gehörten zur Bäckerzunft und wurden damals verhalten, sich beim Verkauf der Waren vor der Kirche eines «ehrsamen Wandels» zu befleissen. Die Schafböcke, eine «waldhonigduftende Leckerei», wie Waldstatt-Dichter Meinrad Lienert meint, sind ein aus Honig und Mehl zubereitetes Gebäck.
  
Neben diesen «Leckerlein» gibt es Einsiedler Lebkuchen zu kaufen. Sie werden erstmals 1550 erwähnt. Diese Scheiben, das Kloster darauf abgebildet oder mit religiösen Motiven geziert, gehören zur Gattung der Gebildbackwaren wie die Kräpflistangen, Herzli und Fische: ein braunes oder weisses Backwerk mit verschiedener Füllung. Dafür verwendet man uralte Holz- oder Tonmodelle. Bekannt sind neben diesen Spezialitäten die Einsiedler Tirggel, welche auf St. Nikolausabend oder Weihnachten in den Bäckereien des Dorfes bereitgestellt werden. Heute werden diese Spezialitäten teilweise maschinell hergestellt. An der Kronenstrasse, in unmittelbarer Nähe der Hauptstrasse, befindet sich die Lebkuchenbäckerei "Zum Goldenen Apfel". das weit über 100-jährige Familienunternehmen zeichnet sich aus durch die Führung eines Ladengeschäftes in schönstem Jugendstil. Daran angeschlossen ist ein hübsches Museum, das dem Besucher durch orginelle Exponate die Geschichte der Ortsbezogenen Wallfahrtgebäcke näher bringt. ©

Vieh- und Warenmärkte

Am 9. März 1857 hat der Kantonsrat auf Antrag des Regierungsrates die erste Verordnung über die Förderung und Veredelung der Viehzucht, als Haupterwerbsquelle des Landes erlassen. Zu diesem Zwecke wurde die alljährliche Abhaltung von Viehausstellungen verbunden mit einem Markt auf den Plätzen Schwyz, Lachen und Einsiedeln eingeführt. Total wurden an der Austragung der ersten Ausstellung im Herbst 1857 auf den drei verschiedenen Plätzen 405 Tiere ausgestellt.
Der Regierungsrat bezweckte mit den Bezirksviehausstellungen die Förderung des Viehabsatzes. Eine wichtige Bedeutung hatte aber seit Beginn der Ausstellungen die Zuchtförderung. Die erste offizielle Beschreibung des Rassenstandards des Schwyzer Viehs ist in der regierungsrätlichen Verordnung betreffend die Viehausstellung vom 28. August 1869 enthalten. Von der Behörde wurde damals bewusst eine von den Züchtern schon vorher angestrebte Vereinheitlichung der Rasse gefördert. 

Konstant hohe Auffuhrzahlen
Heute zählt der Kanton Schwyz fünf Ausstellungsplätze. Die Austragungsorte Arth/Küssnacht kamen im Jahr 1877 und Schindellegi im Jahr 1947 hinzu. Um 1900 wurden an den Bezirksviehausstellungen rund 2'000 Tiere präsentiert. Die Auffuhr stieg in den 30er-Jahren auf rund 3'000 Stück an und variierte anschliessend zwischen 2'600 Tieren bis zur Rekor-dauffuhr im Jahre 1989 mit 4'180 Stück Rindvieh. Noch heute beträgt die Auffuhr 3'000 Kühe, Rinder, Maisen, Jungvieh und Stiere.
  
Zuchtförderung und Tradition
Die Bedeutung der Bezirkviehausstellungen hat sich im Laufe der Jahre verändert. Die Ausstellungen dienen noch heute den Züchtern als Standortbestimmung und fördern die Exterieurzucht, welche sich wiederum positiv auf die Nutzungsdauer der Tiere auswirkt. Zudem werden Mindestzuchtwerte verlangt, um die Leistungsbereitschaft der Tiere zu fördern. Die Ausstellungen stellen hauptsächlich ein Schaufenster für das Schwyzer Vieh dar. Sie machen beste Werbung für das heimische Zuchtvieh und dienen so dem Viehabsatz. Der direkte Handel an den Ausstellungen hat aber an Wichtigkeit verloren. Von grosser Bedeutung ist aber auch der Meinungsaustausch unter den Züchtern und nicht zuletzt dient jede Ausstellung auch der Weiterbildung der Züchter.
  
Neben der landwirtschaftlichen Bedeutung haben die Ausstellungen heute einen hohen kulturellen und traditionellen Wert. Sie sind zudem ein Treffpunkt der bäuerlichen mit der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung. Hervorzuheben ist dabei der Viehumzug durchs Dorf, welcher von Hunderten von Zuschauern besucht wird. Er wird angeführt von der Kindertrachtengruppe, der Trachtengruppe mit Fahnenschwinger, ihnen folgen die Politiker, die Funktionäre, Experten und Ehrengäste und anschliessend die prämierten Stiere, Kühe und Rinder.

Das Kleid der Heimat, die Tracht

Die Einsiedler kennen eine Vielfalt von Trachten; es ist die überlieferte Kleidung aus alter Zeit. Man zählt 10 Trachtenkleider: die Arbeits- und Werktagstracht der Frauen (Gingangrock = Gstältlirock mit leinener Bluse und vorgebundener Schürze), die Ausgangstracht der Frauen, die Frauen-Festtagstracht in Seide oder Wolle mit der Coifflehaube (Scheitelhaube) und dem bestickten Vorstecker, die Frauen-Sonntagstracht, die Frauen-Bürgertracht sowie die Frauentracht der Ledigen mit der schwarzen Rosenhaube. Bei den Männern sind es: die Werktagstracht (Halbleinenhose und weisses Hirthemd), die Sonntagstracht, den sogenannten "Annemärteli" (Halbleinenhose und gestrickter Lismer) sowie die Herren-Festtagstracht aus braunem Wollstoff, dem gestreiften Gilet und dem halbsteifen Hut. ©

Kultur wird gelebt

Wahrlich, das kann man von Einsiedeln getrost behaupten. Aus dem Kulturleben der Einsiedler ist das Theaterspielen nicht weg zu denken. Liturgische Spiele (Oster- und Weihnachtsspiele) sind seit den ältesten Zeiten in Einsiedeln bekannt. Nach dem von den Waldleuten 1576 aufgeführten Meinradsspiel von Felix Büchser erlebte die Theaterpflege im Zeitalter des Barocks eine hohe Blüte. Konventualen des Klosters setzten an kirchlichen Festtagen aufwändige Spiele in Szene, die teils vor dem Kloster, teils auf dem Brüel zur Aufführung gelangten. Dabei wurden alle nur möglichen Theatereffekte eingesetzt: Blitz und Donner, Seeschlachten, kriegerische Kämpfe, Licht und Musik. Die Prozessionen wurden zu wesentlichen Teilen der Aufführungen, die manchmal in pompösen Verherrlichungen auf das Altarssakrament oder Maria ausmündeten. Zu Ende des 18. Jahrhunderts sind die religiösen Bruderschafts- oder Wallfahrtsspiele verboten worden. Die Mimen mussten sich auf die Tanzdiele des Rathauses oder in eine Wirtschaft zurückziehen. Die 1849 gegründete Einsiedler Theatergesellschaft konnte dann für fast ein Jahrhundert ihre Aufführungen im «Chärnehus» halten, wo Stücke nach der jeweils gelten den Mode gegeben wurden.
   
1924 kam Peter Erkelenz aus Neuss am Rhein nach Einsiedeln und erkannte, dass sich der Platz vor der Kirchenfassade für die Aufführung religiöser Freilichtspiele ausgezeichnet eignen würde. Mit Gutheissung des Abtes Ignaz Staub und unter Mithilfe einiger kunstsinniger Männer gelang es ihm, die Einsiedler zur Aufführung von Calderons «Grosses Welttheater» zu begeistern. 1925 folgte eine Wiederholung. 1930 übernahm ein Dreierteam die Regie: Prof. Dr. Linus Birchler, August Schmid und Eugen Aberer. Damals durfte zum ersten Mal die Kirche ins Spiel einbezogen werden, indem die «himmlischen Chöre» von dort her auf den obern Spielraum des Klosterplatzes ziehen konnten. Betont einsiedlerische Elemente wurden in Calderons Werk eingebaut (Auftritt der Hohen Frau, die vom Landmann um Fürbitte angerufen wird).
   
Mit dem bekannten Theaterhistoriker und Regisseur Oskar Eberle begann 1935 eine neue Ära des «Einsiedler Welttheaters». Ganz im barocken Geiste wurden Szenenbild und Ausstattung geplant. Text, Gesang, Aufmärsche, Licht und Musik liessen das «Spiel vom rechten Leben vor Gottes Antlitz» zu einem ungeheuren Erlebnis werden. Eberle wirkte als Regisseur 1937, 1950 und 1955. Die Aufgabe Eberles, der 1956 starb, übernahm Erwin Kohlund. Er liess vom barocken Aufwand ab und gab dem Welttheater drei Spielebenen: vor dem Portal, auf dem Zwischenfeld Treppe/Zuschauerbühne und die unsichtbare Sphäre, lediglich durch die Stimme des hl. Geistes verkörpert. Kohlund war 1960, 1965 und 1970 als Regisseur tätig. Hans Gerd Kübel übernahm 1981 die Spielleitung. Ihm folgte 1987 und 1992 der aus dem Kanton Bern stammende Dieter Bitterli.
  
Die zunehmende Säkularisierung forderte eine textliche Neubearbeitung des Stückes unter Beibehaltung der durch Calderon vorgegebenen Struktur. Thomas Hürlimann schrieb für die Aufführung des Jahres 2000 eine neue Fassung des Schauspiels. Regie führte der aus dem Moselgebiet stammende Volker Hesse. Der Publikumsaufmarsch der 2000er-Spiele zeugte von der Aktualität der Calderonschen Idee vom Leben als Spiel.
   
Die Innerschweizerische Kulturstiftung verlieh 1974 dem Spielvolk für die periodische Aufführung des Grossen Welttheaters von Pedro Calderon de la Barca und als Anerkennung einer grossen kulturellen Leistung, wie als Aufmunterung für weiteres Wirken, den Kulturpreis der Innerschweiz.
  
Seit einigen Jahren hat die Theatergruppe des Kulturvereins Chärnehus die alte Theatertradition der Waldstatt - einst von zahlreichen Ortsvereinen getragen - wieder aufgenommen und beachtliche Erfolge erzielt. Auch in den Vierteln Euthal, Willerzell und Bennau werden im Winterhalbjahr erfolgreich Laientheater aufgeführt, wobei es sich zumeist um humorvolle Schwänke handelt.
  
Die Musik spielt in Einsiedeln eine grosse Rolle. Angefangen bei den sieben Blasmusikvereinen über verschiedene Formationen der Pop- und Rockszene bis hin zu Gruppierungen, die sich der klassischen Musik widmen, ist in Einsiedeln fast alles zu geniessen. Immer wieder finden sich Organisatoren, die entweder in der Klosterkirche, im Grossen Saal des Klosters, im Chärnehus oder in anderen Lokalen Konzerte verschiedener Richtungen veranstalten. Als fester Bestandteil des Sommerprogrammes gelten die sechs Orgelkonzerte in den Monaten Juli und August in der Klosterkirche. Mit den drei Orgeln unterschiedlicher klanglicher Ausrichtung besitzt Einsiedeln eine Orgellandschaft, die für schweizerische Verhältnisse einmalig ist.
   
Ausstellungen, Autorenlesungen mit bekannten Schriftstellern, Filmproduktionen und anderes mehr ergeben einen reizvollen Kontrast der weltlichen zur kirchlichen Kultur. Gegen 150 Vereine bieten Entspannung und Ablenkung und erleichtern Neuzuzügern den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. ©

Im Dienste Der Wallfahrer

Mit dem Aufkommen der Wallfahrt im 11. / 12. Jahrhundert wurde es notwendig, dass die Waldleute den Pilgern Herbergen offen hielten und für Speis und Trank besorgt waren. Das Recht zum Wirten erteilte der Abt. Nur wem das Tavernenrecht zuerkannt war, durfte ein Schild aushängen und Wallfahrer beherbergen. Anderen war es erlaubt, Wein mit einem Stücklein Brot zu verkaufen. 

Auf dem ausgeschenkten Wein wurde das sogenannte Umgeld (Ohmgeld) erhoben. Der Wein musste amtlich geprüft und geschätzt werden, und der Wirt durfte erst den «Zapfen ziehen», wenn der Amtmann die Erlaubnis dazu gab. Fast jedes Haus am Klosterplatz und an der Hauptstrasse war ursprünglich eine Herberge. Sie tragen heute noch seltsame Wirtshausnamen, dass man meinen könnte, sie seien alle der Heiligen-Litanei entnommen worden: St. Katharina, St. Johann, St. Josef, St. Benedikt, St. Peter, St. Meinrad, St. Georg, Weisskreuz, Grosskreuz. Das älteste dem Namen nach bekannte Gasthaus ist der Pfauen, 1469 erwähnt. Im letzten Jahrhundert sind viele Gaststätten eingegangen. Die Häuser haben aber immer noch nach Bauweise und Gestalt den Charakter einstiger Herbergen. ©

Handel und Gewerbe

Einige Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich das Bild des herkömmlichen Wallfahrtstourismus. Wohl ist die Wallfahrt nach wie vor einer der Hauptpfeiler der lokalen Volkswirtschaft. Unzählige Betriebe aller Branchen und deren Arbeitnehmer sind von diesem wichtigen Wirtschaftszweig unmittelbar betroffen. Brachten früher lange Eisenbahnzüge die vielen Pilger nach Einsiedeln, sind es heute Reisebusse und unzählige Privatautos, welche die Hunderttausende von Besuchern nach Einsiedeln transportieren. Schnelle und gut ausgebaute Autostrassen sorgen für kurze Reisezeiten, so dass sich die Aufenthaltsdauer der Gäste in Einsiedeln drastisch verkürzen. Zahlreiche Hotels und Gastbetriebe müssen sich auf die neue Situation einstellen. Gute Chancen rechnet man sich für den Tagungs-, Kongress- und Kulturtourismus aus. Dieser Tourismus gewinnt in Einsiedeln immer mehr an Bedeutung. Dabei steht die barocke Klosteranlage im Mittelpunkt.
   
Darum herum hat sich ein eigenständiges Kulturangebot entfaltet, das auf Initiative von privaten Institutionen und Organisationen aufgebaut ist. Gleich einem Regenbogen ist ein fruchtbares Spannungsfeld zwischen Kloster und Dorf entstanden, das für die Fortentwicklung Einsiedelns in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht neue Perspektiven eröffnet.
   
Diese neuen Strömungen haben ihren Niederschlag auch in der gewerblichen Struktur gefunden. Verschiedene ehemals blühende Kunstgewerbe- und Handwerksbetriebe sind inzwischen verschwunden. So sind die Herstellung von Devotionalien, die Textilindustrie, mehrere Töpfereien und Mühlen, Ziegeleien und andere mehr Geschichte geworden. Das grafische Gewerbe, bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts von weit überregionaler Bedeutung, wird heute von drei modernen Betrieben vertreten. Der über die Landesgrenze bekannte Benziger Verlag, der heute nur noch mit dem Namen der Buchhandlung am Klosterplatz ein Zeichen seiner einstigen Grösse setzt, prägte die Verlagslandschaft der Schweiz über 175 Jahre massgeblich. Offiziell 1792 gegründet, entwickelte er sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten europäischen Verlagshäuser mit Niederlassungen in Deutschland, Frankreich und den USA. Der Erfolg mit der Expansion ins Ausland muss vor allem auch mit der technischen Erneuerung der Betriebe gesehen werden. 1860 hatte das Unternehmen allein in Einsiedeln 500 Angestellte.
  
Spezialgebiet waren bis zum Ersten Weltkrieg die religiöse Literatur und Grafik. Gesamthaft erschienen rund 20000 Bücher und Tausende Heiligenbilder in allen Grössen und Formen, darunter auch die beliebten «Spitzenbilder». Die berühmte «Alte und Neue Welt», 1866-1945, Familienzeitschrift mit Unterhaltung, Kinderseiten, politischen Reportagen und Romanen, war mit einer Auflage von bis zu 70000 ein Grosserfolg.
  
Im 20. Jahrhundert dehnte der Verlag sein verlegerisches Programm auf die moderne Jugendliteratur und die Belletristik aus, wobei der theologischen Literatur immer grosse Bedeutung zukam. Das Archiv des Benziger Verlags ist erhalten geblieben und befindet sich im Besitz der Stiftung Kulturerbe Einsiedeln (www.kulturerbe-einsiedeln.ch).
  
Die Einsiedler Wirtschaft ist, wie in anderen ländlichen Gebieten der Schweiz auch, kleinbetrieblich geprägt. Weniger als 30% der Beschäftigten arbeiten in Betrieben mit mehr als 50 Arbeitnehmern.
  
Einsiedeln verfügt über eine vielfältige, überwiegend durch Klein- und Mittelbetriebe geprägte Gewerbestruktur. Rund 700 Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe decken die Bedürfnisse der Region ab. Gemäss der eidgenössischen Betriebszählung 2001 bietet Einsiedeln 1715 Arbeitsplätze im zweiten Sektor (Industrie/Produktion) und 2920 im dritten Sektor (Dienstleistungen) an. Einen traditionell hohen Stellenwert haben in Einsiedeln das Baugewerbe sowie die Holzverarbeitung. Der Apparate- und Maschinenbau, im Speziellen der Bau von Montageautomaten, ist in Einsiedeln gut vertreten. Mehrere Betriebe sind auf die Fertigung von Kunststoff-Artikeln spezialisiert. Das einst für Einsiedeln so typische Druckereigewerbe war in den letzten Jahren stark rückläufig und hat sich nun bei rund 80 Arbeitsplätzen stabilisiert. Leider kann das Angebot an Arbeitsplätzen nicht mit der rasch steigenden Einwohnerzahl mithalten, so dass viele Leute gezwungen sind, sich auswärts eine Arbeit zu suchen, vor allem in der Agglomeration Zürich. Der Pendlersaldo 2000 betrug 1263 Personen. Die meisten von ihnen verdanken ihr Einkommen einer Anstellung im Raume des «Millionen Zürich». Gesamthaft betrachtet ist eine neue Welle zu selbstständiger Erwerbstätigkeit festzustellen. Nicht zu vergessen die Landwirtschaft, die als kleinster der drei Wirtschaftssektoren jedoch einen bedeutenden Beitrag zur Versorgung unserer Region leistet. ©

Freizeit

Die voralpine Landschaft, zusammen mit dem Sihlsee, bilden ausgezeichnete Voraussetzungen, um sich der aktiven Musse hinzugeben. Dies wurde auch von der Bevölkerung der Agglomeration Zürich entdeckt, die unser Hochtal als Naherholungsgebiet nutzt. Das Individuum, das seine Ruhe und Entspannung in den Hochmooren oder auf den umliegenden bewaldeten Hügelzügen sucht, oder das Vereinsmitglied kommt auf seine Rechnung: die Vielgestaltigkeit der Gegend wird jedem Bedürfnis gerecht.
    
Einsiedeln ist darum auch ein Mekka des Wintersports. Über 80 km Langlaufloipen führen in die verträumte Winterlandschaft hinaus. Auch dem Alpin-Sportler wird in nächster Umgebung Hochkarätiges geboten (Hoch-Ybrig). Mit den verschiedenen kleinen Skigebieten (Mythengebiet, Sattelegg, Einsiedeln) findet der beschaulichere Skiläufer und Freund des Schlittelsports ideale Voraussetzungen.
   
Unübersehbar thronen am westlichen Dorfrand die Schanzenanlagen mit dem 105 m Bakken. Mit ein Grund, warum Einsiedeln von Swiss Ski zum regionalen nordischen Leistungszentrum erkoren wurde.
   
Und im Sommer? Rund um den Sihlsee tut sich ein Eldorado auf für den Wassersportler sowie den Erholungs- und Ruhesuchenden. Auf den Strassen um den nördlichen Teil des Sees findet der Anhänger neuerer Sportarten wie Skaten oder Bladen ideale Voraussetzungen. Sowohl zum Wandern wie zum Biken bietet sich die voralpine Landschaft zusätzlich in den Übergangszeiten an.
   
Einsiedeln besitzt ein äusserst aktives Vereinsleben, das sportlichen, kulturellen, historischen und naturnahen Bedürfnissen zu genügen vermag. Immer wieder verstehen es die Vereine in sympathischer Weise an die Öffentlichkeit zu treten, um von ihrem Tun Zeugnis abzulegen. ©

Kloster und Wallfahrtskirche

Über die erste Klosterkirche, 948 geweiht, weiss man wenig. Der nach dem Brand von 1028 erstellte Kirchenbau bildete die Grenzen für die späteren Münster, sowohl des romanischen wie des gotischen. Das Gotteshaus bestand bis zum Barock aus zwei Teilen: dem unteren Münster mit der Gnadenkapelle, dem oberen als Mönchskirche. Beim Übergang beider Teile erhoben sich die Türme. Über die spätmittelalterliche Klosterkirche sind wir durch die Bildchroniken, vor allem jener Diebold Schillings, informiert. Die Klostergebäude umgaben - unregelmässig angelegt und gebaut - das Gotteshaus. Sie lagen meist gegen Süden.
  
1465 ist das untere Münster eingewölbt worden. Diesem war das sogenannte Helmhaus vorgelagert. Unten breitete sich schon eine Kramgasse (Marktbuden) aus.
   
Von 1674-1684 errichtete Hans Jörg Kuen, ein Bregenzer Baumeister, einen neuen Chor und die Beichtkirche.
   
Unter Abt Maurus von Roll (1698-1714) beschloss das Klosterkapitel 1702 den Neubau von Kloster und Kirche in barockem Stil. Die Grundsteinlegung zum Konventgebäude erfolgte 1704. Es wurde 1718 vollendet. 1719 begann man mit dem Kirchenbau, der 1735 geweiht werden konnte. Die Pläne zur Klosteranlage mit der Wallfahrts- und der Mönchskirche gehen in wesentlichen Teilen auf die Ideen des Laienbruders Caspar Mosbrugger (1656-1723) aus dem Bregenzerwald zurück. Die Konventgebäude bilden ein grosszügiges Viereck, in welches in der Form des Kreuzes die Kirche, das Beichthaus und andere Bauten integriert sind. Kunstkenner sind sich einig, dass der Einsiedler Klosterund Kirchenbau in Europa nur mit dem Escorial zu Madrid verglichen werden kann. Er macht in Ausmass und Geschlossenheit einen überwältigenden Eindruck. Nach Vollendung dieser Bauten legte man im Waldwinkel gegen Süden die Ökonomiegebäude an, wo sich Angestelltenzimmer, Werkstätten und Stallungen befinden. Nach der Benediktsregel sollen ja alle Werkstätten innerhalb der Klostermauern liegen.
   
Am Kirchenbau waren süddeutsche, oberitalienische und einheimische Künstler tätig. Zu nennen sind der Freskant Cosmas Damian Asam, der Stuckateur Aegid Quirin Asam, der Maler Carlo Carlone, der die Altarbilder St. Benedikt und St. Meinrad geschaffen hat. Die beiden Altäre Rosenkranzkönigin und Patrozinium stammen vom Mailänder Giudice, die andern kleinem Altäre von J. A. Feuchtmayr.
   
Der Chor von 1684 wurde 1746 vom Söflinger Architekten, Maler und Stuckateur Franz Anton Kraus-Kälin umgebaut. Johann Baptist Babel, in Einsiedeln wohnhaft, schuf die Apostelstatuen, sowie die Fassadenfiguren der Kirchenfront und diejenigen auf den Arkadenbögen. Die beiden deutschen Reichskaiser (Otto I und Heinrich II) beim Treppenaufgang links und rechts der Arkaden sind ebenfalls das Werk Babels. Im Oberen Chor, dem Psallierchor, haben die Gebrüder Torricelli gemalt; die Chorstallen stammen vom Luzerner Bildschnitzer M. Hartmann (etwa 1680). Sie wurden aus dem früheren unteren Chor hierher überstellt. Die Gnadenkapelle wurde nach der Niederlegung durch die Franzosen 1798 unter Bruder Jakob Natter im klassizistischen Stil neu erbaut (1817).
   
Sie wird durch das mächtige Oktogon überwölbt. Hier ist die Legende der Engelwelhe dargestellt. In der Gnadenkapelle steht seit 1466 das Gnadenbild, eine edle Madonnenstatue, wohl süddeutsche Arbeit. Dem Oktogon schliessen sich gegen den Chor hin zwei weitere Räume an. das Abendmahlsrund und der Raum mit dem Weihnachtsbild, einer Freskomalerei, bei der Cosmas Damian Asam aufgrund der stupenden Plastizität, zu Hochform aufgestiegen war.
   
Von hinten nach vorn wird der Kirchenraum schmäler, nach oben steigt er an, um unter der Laterne die grösste Höhe zu erreichen.
   
In dieser kongenialen Raumkomposition findet die im Barock kultivierte Zentralperspektive mit dem dazugehörenden Fluchtpunkt zu höchstem Ausdruck.
   
Die Beicht- und Taufkirche sowie die St. Magdalenenkapelle und der Grosse Saal bergen Gemälde des Zugers Brandenberg. Im Nordtrakt des Klosters liegt die Stittsbibliothek. Sie birgt an die 200000 Bücher, beginnend im 15. Jahrhundert mit Wiegendrucken und Inkunabeln. Die Raumausschmückung erfolgte durch den Wessobrunner Stuckateur Joseph Meyer. In den Fensternischen fertigte er Porträts der Päpste an, solche von Königen und Kaisern. Darunter befindet sich auch das in Gips gefertigte Selbstporträt.
   
Im nördlichen Trakt des Klosters befinden sich die Unterrichtsräume der Stiftsschule. Gegen das Brüel hin liegt die Gebäulichkeit mit dem Theatersaal, die Doppelturnhalle sowie das Trainingszentrum der nordisch-kombinierten Nationalmannschafts-Mitglieder.
   
Gegen das Dorf hin findet man im rechten Risalit die Abtei, links von der Kirche das Pfarramt. Südlich des Hofes erhebt sich die Alte Mühle mit Vortragssaal, der mit moderner Technik ausgerüstet ist. Von Ostern bis Oktober wird täglich nachmittags eine Diashow gezeigt über die spirituelle Ausrichtung der Benediktinischen Gemeinschaft. ©

Der Frauenbrunnen

Er steht in der Mitte des Platzes unterhalb der Arkaden und geht auf den sogenannten Meinradsbrunnen zurück, wie er schon im Blockbuch dargestellt ist. H. J. Kuen schuf 1684 – 1686 den vierzehnröhrigen Brunnen, der mehrmals, zuletzt im Zuge der grossen Fassadenrenovation der Klosterkirche unter Abt Benno Gut, erneuert wurde. 1749 ist das Kuppeldach über den sieben Säulen durch Volutendocken ersetzt worden, die von einer vergoldeten Krone überragt werden. Domenico Pozzi aus Mailand fertigte die kupfervergoldete Statue der Unbefleckten Empfängnis, sowie übrigens auch den Hochaltar der Klosterkirche. ©

Die St. Gangulfskapelle

Auf dem Brüel liess Abt Embrich 1030 die Gangulfskapelle erbauen. Sie ist in ihren Mauern das älteste erhaltene Gebäude im Hochtal und besitzt im wesentlichen die Masse, wie man sie bei der St. Martinskapelle auf der Ufenau findet oder wie sie einst die Gnadenkapelle hatte. 

In alter Zeit – man kann das auf Bilderchroniken nachlesen – führte der Pilgerweg vom Etzel her durch die Kapelle. Das Vorzeichen stammt aus dem Jahre 1814. Bei der Renovation während des Zweiten Weltkrieges erhielt die Kapelle Glasmalereien von Albert Hinter, wobei die Heiligen im Chorfenster besondere Beachtung verdienen. In die Seitenfenster sind die Wappen der Waldleute-Geschlechter eingefügt. Über dem Chorbogen hängt ein Kruzifixus aus der Kapelle in Rickenbach / SZ. Zwei vornehme Skulpturen zieren den Aufgang ins Chörlein: eine Würzburger Madonna und eine Pietà, die einst in einer Wegkapelle zu Feusisberg gestanden hatte.

1967 erhielt in der Gangulfskapelle Prof. Dr. Linus Birchler (1893 – 1967) sein Grab. 

Archäologische Grabungen haben im Sommer 1993 Überreste einiger Wallfahrtskapellen zu Tage gebracht, die auf dem Brüel entlang des alten Pilgerweges standen. ©

Die Jugendkirche St. Wolfgang

Nach Plänen von Architekt Josef Steiner, Schwyz, ist mit dem Bau der Jugendkirche 1946 begonnen worden. Die Weihe erfolgte am 18. April 1949 in der Ehre des hl. Einsiedlermönchs Wolfgang, später Bischof von Regensburg. 

Die auf dem einstigen Kanzlergut erbaute Jugendkirche dient für Jugend- und Pfarrgottesdienste und dem traditionellen Sterbegebet für die verstorbenen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Das einstige Hochaltarbild aus der Stiftskirche (Kuen-Chor) dominiert den Sakralraum. Das grosse Kreuz soll aus dem aufgehobenen Zisterzienserinnen-Kloster Rathausen stammen. Die Madonnenstatue kommt aus Kägiswil / OW. 1981 erhielt die Jugendkirche ein wohlklingendes Geläute, das auf jenes des Klosters abgestimmt ist. ©

Die St. Benediktskapelle

Auf dem Friedhof steht die St. Benediktskapelle, die Abt Plazidus Reimann (1629 – 1670) 1631 weihen konnte. 
      
Das im Louis XVI-Stil gehaltene Altärlein zeigt St. Benedikt als Patron der Sterbenden und zwei Apostelfiguren aus der Reihe, die an den Wänden des Schiffes angebracht ist. Sie stammen, wie die beiden Bildtafeln (Rosenkranzgeheimnisse und Meinradsleben), aus der 1859 abgebrochenen Beinhauskapelle. Die vierzehn Stationen des Kreuzweges, 1745 hier auf dem Gottesacker aufgestellt, besitzen schöne schmiedeiserne Ständer aus der Entstehungszeit; die Kreuzwegbilder schuf Bildhauer Toni Bisig. Werke verschiedener bekannter Einsiedler Bildhauer findet man noch heute auf dem Friedhof. Besonders sehenswert sind die sogenannten Benziger Grabkreuze. Das wertvolle Fünfwunden-Kreuz ist eine Stiftung der Einsiedler Goldschmiede (1745). ©

Die evangelisch-reformierte Kirche

Sie wurde 1943 eingeweiht und ist am Ort erbaut, wo einst das Sondersiechenhaus (Leprosenheim) stand. Die beiden Glocken sind Teile des Glockenspiels der Landesausstellung 1939 in Zürich. ©

Die St. Josefskapelle

An Stelle eines kleinen Wegkapellchens hat Frau Mutter Cäcilia Ochsner (1603 – 1659) aus der Au die St. Josefskapelle erbauen lassen. Das war 1654. 1895 ist die Kapelle nach Plänen von P. Viktor Stürmle durch den Einsiedler Baumeister Mrd. Stefan Birchler im neugotischen Stil neu errichtet worden. Auf den von Fritz Kunz (1868 in Einsiedeln geboren) entworfenen Altar kam wieder die Tongruppe «Tod des hl. Josef» hin. Der geschnitzte Altar und die Bänke stammen von Altarbauer Karl Kälin aus Einsiedeln. ©

Der "Grosse Hergott" und das "Grosskreuz"

An der Gabelung der Strassen nach dem Etzel und gegen das Birchli steht, gegenüber dem Alten Schulhaus, der «Grosse Herrgott». Er erinnert an die Romfahrt von Abt Gerold 1464. Die Figur des holzgeschnitzten, überlebensgrossen Gekreuzigten wurde 1845 an die Chorwand der Friedhofkapelle übersetzt. An seine Stelle trat ein gusseiserner Kruzifixus. Das «Grosskreuz» im Einsiedler Unterdorf, 1558 erstmals erwähnt, könnte – wie der «Grosse Herrgott» – ein Einungskreuz gewesen sein, das die Grenzen des Dorfes beschützte. Ähnlich kennt man in Schwyz in gleicher Lage sogenannte Einungskapellen. ©

Das Rathaus

Das jetzige Rathaus hatte einige Vorgängerbauten, die weiter in den Platz hinaus standen und auf Grund einer Bewilligung durch den Abt dort erstellt werden konnten. Sie brannten 1509, 1577 und 1680 nieder. In die Fenster hatten die eidgenössischen Orte Wappenscheiben geschenkt. 

Nach dem Brand von 1680 machten sich die Waldleute unverzüglich an den Neubau des Rathauses. Es wurde nicht mehr am alten Platz aufgeführt, sondern auf dem Hausplatz, den man von Thietland Zingg erworben hatte. Damit kamen die Einsiedler dem Gebot des Klosters nach, dass «niemand Gewalt habe, östlich des Hauses zum Ochsen ohne Bewilligung des Abtes etwas zu bauen». Trotz der an sich ungewohnten Erhebung einer Landessteuer reichten die Mittel der Waldleute nicht zum Bau des Rathauses, so dass sie sich an das Kloster wandten, es möchte den Bau in seinen Kosten übernehmen; man wolle die Schuld durch Holzleistung und Abzahlung begleichen. Die Einsiedler leisteten Frondienste. 1689 war der Bau vollendet und bot nun für die Verwaltung und die Schule Raum.
  
Im Rathaus waren ausserdem das Feuerwehrmagazin und das Zeughaus untergebracht. Die Schule wurde erst 1846 aus dem öffentlichen Gebäude ausquartiert. Später kamen die Postverwaltung und das Telefonamt ins Rathaus. 1903 erfolgte eine umfassende Renovation. Damals kamen die beiden Türmchen hin, ebenso die Dachuntermalung und die Steinmetzarbeiten über Türen und Fenstern. Eine weitere Renovation erfolgte 1975, die eine völlige Neueinteilung der Innenräume mit sich brachte. Wappenscheiben, alte Waffen, Stiche und Gemälde sind wertvolle Gegenstände der Innenausstattung von Sitzungszimmern und Amtsräumen. ©

Das Kultur- und Kongresszentrum ZWEI RABEN, ehemals Dorfzentrum, ehemals Heilig-Geist-Spital

Das Dorfzentrum geht auf das vom Zürcher Chorherren Heinrich Martin 1353 gegründete HeiligGeist-Spital für «arme ellende Bilgrine, die ze unserm Gothuss jerlichs kommend», zurück. Es wurde in der Folge Herberge für arme kranke Waldleute. Das Spital ist erst 1859 durch einen Neubau ersetzt worden, der Waisen-, Armen- und Krankenhaus war. Nach dem Bau des Bürgerheims 1907 und des Krankenhauses 1904 diente es noch als Kinderheim. 1977 wurde das Gebäude unter Mithilfe der Einsiedler Dorfvereine zum Dorfzentrum umgebaut und erweitert. Seitdem finden hier viele Vereinsanlässe, Tagungen und Kongresse statt. Das Dorfzentrum ist kaum mehr wegzudenken und erfüllt eine wichtige Scharnierfunktion in touristischer und gesellschaftlicher Hinsicht. ©

Das Regionalspital

Landammann Josef Karl Benziger (1799 – 1873) begründete zusammen mit seinen Söhnen 1863 die «Stiftungsgesellschaft zur Gründung eines Krankenhauses für den Bezirk Einsiedeln». Zum Bau des Spitals konnten später auch die Mittel der «Versorgungsanstalt Maria End» auf dem Katzenstrick, gegründet durch Regierungsrat Stefan Steinauer (1820 – 1878), verwendet werden. 

Das Krankenhaus ist am 19. Dezember 1903 eingeweiht worden. Der erste Patient kam an Dreikönigen 1904. Die Krankenpflege oblag den Barmherzigen Schwestern von Ingenbohl. Die Krankenanstalt war ein wahrer Segen für Einsiedeln. Am 9. Mai 1973 zerstörte ein Brand weitgehend das Krankenhaus. Für fünf Jahre mussten die Patienten in einem Spitalprovisorium im Einsiedlerhof betreut werden. Unterdessen wurde am Bau des neuen Regionalspitals – es liegt am gleichen Ort wie das durch den Brand geschädigte – gearbeitet; 1979 ist es bezogen worden. Es dient nicht nur den Kranken aus dem Bezirk Einsiedeln, sondern auch jenen der Nachbargemeinden. Das Regionalspital untersteht der «Stiftung Krankenhaus Maria zum finstern Wald». Ende 2005 wurde neben dem Regionalspital das Gesundheitszentrum mit Arztpraxen und Therapieräumen in Betrieb genommen. ©

Alters- und Pflegeheime, Alterswohnungen

Einsiedeln verfügt über ein gutes Angebot für betreutes Wohnen im Alter: Das Alters- und Pflegeheim Langrüti, die Alterswohnungen Langrüti und das Alters- und Pflegeheim Gerbe. Das Alters- und Pflegeheim Langrüti (14) wurde 1907 auf Grund eines Legats von Kantonsrat Meinrad Birchler (1834-1895) in Betrieb genommen und diente zuerst als Bürgerheim. 1986/87 erfolgte der Anbau eines grosszügigen Pflegetraktes und von Gemeinschaftsräumen. 1994 / 95 erfolgte eine umfassende Renovation mit zeitgemässem Umbau des Altersheims. Seit 1994 verfügt der Bezirk unmittelbar neben dem Alters- und Pflegeheim Langrüti über eine Überbauung mit Alterswohnungen, die es rüstigen Betagten ermöglicht, ihren eigenen Haushalt zu führen, aber in Notfällen auf die Unterstützung des Alters- und Pflegeheims zurückgreifen zu können. Auf private Initiative hin konnte die Genossenschaft für Alterssiedlungen Einsiedeln im Jahre 1978 das Alters- und Pflegeheim Gerbe (30) eröffnen, zu dessen Angebot auch Alterswohnungen gehören. Die Gebäude wurden 1997 umfassend renoviert und bieten sowohl einheimischen wie auch auswärtigen Betagten ein behagliches Zuhause. ©

Die Schulhäuser im Dorf

In Einsiedeln gab es schon früh Schulhäuser. 

Das Alte Schulhaus, erbaut nach Plänen des späteren Abtes Heinrich Schmid, konnte 1846 von den Schülern, welche vordem im Rathaus unterrichtet wurden, bezogen werden. Im Erdgeschoss befindet sich der festlich gestaltete Gemeindesaal. Er dient vor allem den Bezirksgemeinde-Versammlungen und für Empfänge.
   
Das Brüelschulhaus, stammt aus dem Jahre 1890. Wenig jünger ist die danebenstehende Turnhalle.
   
Die Schulanlage «Furren» wurde 1971 eingeweiht. Inzwischen ist sie mittels Dachaufstockungen erweitert worden.
   
Das Schulhaus Nordstrasse ersetzte ein langjähriges Provisorium.
   
Im Jahre 2004 wurde ein weiteres neues Schulhaus an der Kornhausstrasse in Betrieb genommen. Es dient der Primarstufe. ©

Das Panorama Kreuzigung Christi

Das Panorama ist 1892 / 93 durch Mrd. Stefan Birchler (1850 – 1920), einem genialen Zimmermeister, als Holzrundbau erstellt worden. Die Kunstmaler Karl Hubert Frosch aus München, J. Krieger aus Salzburg und William R. Leigh aus Baltimore fertigten das Rundgemälde und die plastische Umgebung der Stadt Jerusalem. In eindrücklicher Weise und so, dass der Beschauer sich als Augenzeuge wähnte. Am 17. März 1960 brach Feuer aus und zerstörte den Bau und das Rundgemälde. Unverzüglich machte sich die Panoramagesellschaft an den Neubau, wozu Architekt Erwin Koch die Pläne lieferte. An Hand von Farb-Dias malten die beiden Wiener Künstler Professor Hans Wulz und Josef Fastl das Rundgemälde neu und schufen die plastische Umgebung dazu. Die Gemäldeleinwand wiegt allein etwa eine Tonne, sie ist 10 m hoch und hat einen Umfang von rund 100 Metern. ©

Das Diorama Geburt Christi

Das DIORAMA ist ein bemerkenswertes kleines Museum: Es zeigt seit 1954 die naturgetreue drei-dimensionale Darstellung der Weihnachtsgeschichte mit über 450 handgeschnitzten Figuren auf einer Fläche von 80 m2. Die vom Innsbrucker Ferdinand Pöttmesser um 1930 geschaffene Krippe ist fast 100 Jahre alt. Der bayrische Kunstmaler Bartholomäus Wappmannsberger und der Bildhauer Rheinhold Zeller waren für die Malerei und die plastische Darstellung der Szenen verantwortlich.

Im Soussol präsentiert sich seit 1998 eine schöne Mineralien- und Fossiliensammlung mit über 1‘200 Exponaten aus der ganzen Welt. Über 40 Jahre dauerte es, um die teils aussergewöhnlichen Objekte zusammenzutragen: Alpen-Quarze, versteinerte Lebewesen und grosse Kristalle aus Südamerika und China.

Spezielle Angebote für Gruppen und Schulen/ Museums-Shop und kleines Besucher-Café.

Das Chärnehus

Im Juni 1736 beschloss die Session, ein Kornhaus zu bauen, um in Notzeiten mit Brotgetreide stets versehen zu sein. Die Waldleute waren bereit, zu diesem Zweck öffentliche Mittel zur Verfügung zu stellen. Den Bau übernahm das Kloster, das 1737 mit dem Hofpalier des Fürsten von Messkirch, Franz Singer, einen Bauvertrag abschloss. Im Erdgeschoss wurde das Schützenhaus der Waldleute untergebracht. Nach der Französischen Revolution zerfiel der Bau immer mehr. Man plante hier eine Brauerei einzurichten oder das Haus für das Militär zu benützen. Ab 1849 wurde im Chärnehus Theater gespielt. Öffentliche Betriebe und Vereine erhielten hier ausserdem Gastrecht. Heute hat das Chärnehus wiederum die Funktion eines «Musentempels» übernommen. Dank den Bemühungen des Kulturvereins Chärnehus und weiterer kulturell und geschichtlich Interessierter steht das Haus renoviert der Öffentlichkeit zur Verfügung. ©

Stiftung Bibliothek Werner Oechslin

Der Kunsthistoriker Werner Oechslin verfügt über eine Sammlung von über 50000 Büchern zur Architekturtheorie und -geschichte vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Die Sammlung hat, in dem vom Tessiner Architekten Mario Botta entworfenen Gebäude, Platz gefunden. Der Bau überzeugt durch seine Feingliedrigkeit. Mit elegantem Schwung fügt er sich der nahen Hügellinie an. Für Forschungszwecke und im Rahmen zeitweiliger Ausstellungen ist die Bibliothek zugänglich. ©

Beachtenswerte Bauten

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Schweizerischen Heimatschutzes gab dieser einen Prospekt heraus, mit etwa 20 beachtenswerten Bauten im Ort Einsiedeln. Mit fachlich geschultem Auge geht dieser den in ihren jeweiligen Epochen typischen Merkmalen dieser Objekte nach. Er stellt sie auch in einen Zusammenhang geschichtlicher und ortsbezogener Natur (bei Einsiedeln Tourismus gratis zu beziehen). ©

Die Bezirksgemeinde

Wie in fast allen schwyzerischen Gemeinden und Bezirken ist auch im Bezirk Einsiedeln das Urnensystem eingeführt worden, so dass Wahlen und Abstimmungen über andere Sachgeschäfte an der Urne erfolgen. Für jene Geschäfte, die heute an der Urne entschieden werden, besteht der Zweck der Bezirksgemeindeversammlung hauptsächlich in der öffentlichen Diskussion der unterbreiteten Geschäfte. So können beispielsweise Anträge auf Rückweisung oder Verschiebung gestellt werden, so dass das Geschäft an den Bezirksrat zurückgeht und nicht der Urnenabstimmung überwiesen wird. Anträge auf Trennung oder Abänderung eines Geschäfts sind ebenfalls gestattet. Anträge auf Ablehnung oder Nichteintreten sind jedoch unzulässig, da diese Entscheide an die Urnenabstimmung delegiert sind. 
  
Den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern stehen folgende Befugnisse zu:

  • Erlass einer Gemeindeordnung
  • Erlass von Rechtssätzen, soweit nicht nach kantonalem Recht ein anderes Organ zuständig ist
  • Wahl des Bezirksammanns, des Statthalters, des Säckelmeisters und der übrigen Mitglieder des Bezirksrates
  • Wahl des Landschreibers, des Vermittlers und seines Stellvertreters und der Rechnungsprüfungskommission
  • Wahl der dem Bezirk zugeteilten Kantonsrichter und Ersatzmitglieder
  • Wahl der Bezirksrichter und der Ersatzmitglieder sowie des Bezirksgerichtspräsidenten
  • Genehmigung der Jahresrechnung
  • Festsetzung des jährlichen Voranschlages und der Bezirkssteuern 
  • Gewährung von Verpflichtungskrediten, welche aufgrund ihrer Höhe nicht im Rahmen der Genehmigung des Voranschlags bewilligt werden können.
  • Beschlussfassung über den Erwerb und die Veräusserung von Liegenschaften
  • Beschlussfassung über weitere durch das Gesetz vorgesehene Verwaltungsgeschäfte (Beitritt zu Zweckverbänden, Erteilung des Gemeindebürgerrechts usw.).

An Bezirksgemeindeversammlungen werden nur die folgenden Beschlüsse direkt gefasst:

  • Genehmigung des Voranschlags und Genehmigung des Steuerfusses 
  • Genehmigung der Jahresrechnung
  • Erteilung des Ehrenbürgerrechts
  • Erteilung des Gemeindebürgerrechts

Der Bezirksrat kann seinen Antrag auch zurückziehen und von einer Überweisung an die Urnenabstimmung absehen, wenn eine Vorlage durch die Vorberatung in wesentlichen Teilen derart abgeändert ist, dass der angestrebte Zweck offensichtlich nicht mehr verwirklicht werden kann. Die Bezirksgemeindeversammlungen sind öffentlich und somit für jedermann zugänglich. Das Stimm- und Antragsrecht ist jedoch ausschliesslich den in Einsiedeln wohnhaften volljährigen Schweizerbürgerinnen und Schweizerbürgern vorbehalten. ©

Der Bezirksrat

Der Bezirksrat arbeitet nach dem Ressort-System und setzt sich zusammen aus dem Bezirksammann, dem Statthalter, dem Säckelmeister und neun Mitgliedern (ab 2002 sechs Mitglieder). Bezirksammann, Statthalter und Säckelmeister werden auf zwei Jahre gewählt. Die Amtsdauer der übrigen Ratsmitglieder beträgt vier Jahre. Sie alle üben ihre Funktion nebenamtlich aus. Der Bezirksrat ist das vollziehende und verwaltende Organ des Bezirkes. Ihm stehen alle Befugnisse zu, die nicht durch kantonales Recht einem anderen Bezirksorgan zugewiesen sind. 

Der Landschreiber führt das Protokoll der Ratsverhandlungen und der Bezirksgemeindeversammlung. Er ist der einzige vollamtliche, vom Volk gewählte Beamte des Bezirkes Einsiedeln. Er ist Personalchef und zugleich Leiter der Bezirksverwaltung mit ungefähr 50 vollamtlichen Angestellten. Mit Ausnahme der Rechnungsprüfungskommission, deren Mitglieder auf zwei Jahre vom Volk gewählt werden, wählt der Bezirksrat alle übrigen Kommissionen und bestimmt deren Präsidenten und Protokollführer. ©

Das Bezirksgericht

Das Bezirksgericht besteht aus dem Präsidenten und sechs weiteren Mitgliedern sowie sieben Ersatzrichtern. Es wird vom Volk auf die Dauer von vier Jahren gewählt. 

Vizepräsident und Gerichtsschreiber werden vom Bezirksgericht gewählt. Die Mitglieder des Bezirksgerichts sind nebenamtlich tätig. Der Gerichtspräsident und der Gerichtsschreiber sind Juristen, die übrigen Mitglieder Laienrichter.
   
In den vom Gesetz bezeichneten Fällen amtet der Bezirksgerichtspräsident als Einzelrichter.
  
Das Bezirksgericht entscheidet als Zivilgericht, sofern nicht ein anderes Gericht zuständig ist, erstinstanzlich alle Streitigkeiten, deren Streitwert Fr. 6000. – übersteigt oder nach der Natur der Sache nicht geschätzt werden kann.
   
Als Strafgericht beurteilt das Bezirksgericht, unter Vorbehalt der Zuständigkeit des Einzelrichters, der Untersuchungsrichter und des kantonalen Strafgerichtes, alle Verbrechen und Vergehen. ©

Der Vermittler

Der Vermittler, in anderen Kantonen auch Friedensrichter genannt, ist Sühneberater in zivilrechtlichen Streitigkeiten. Er verfügt über eine Entscheidungskompetenz bis Fr. 2000.-. Er ist nebenamtlich tätig und wird, wie auch sein Stellvertreter, vom Volk für eine Amtsdauer von vier Jahren gewählt. ©

Die Kirchgemeinden

Die kantonale Verfassung sieht vor, dass die politischen Gemeinden und die römisch-katholischen und evangelisch-reformierten Kirchgemeinden getrennt sind. Diese können sich über eine oder mehrere politische Gemeinden oder über Teile davon erstrecken. Im Bezirk Einsiedeln besteht je eine römisch-katholische und eine evangelisch-reformierte Kirchgemeinde.
   
Die selbstständigen Kirchgemeinden sind berechtigt, zur Bestreitung ihrer Ausgaben Steuern zu erheben. Die Kirchensteuer wird im Bezirk Einsiedeln für beide Kirchgemeinden zusammen mit den Kantons- und Bezirkssteuern eingezogen. ©

Wortdeutungen und Literaturverzeichnis

Wortdeutungen von den Namen einiger Hügel, von Flurnamen, Namen der Sihl, Alp und Biber und Literaturverzeichnis der Waldstatt Einsiedeln.

Bezirksverwaltung Einsiedeln
Hauptstrasse 78 / Postfach 161
8840 Einsiedeln
055 418 41 20
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Schulverwaltung Einsiedeln
Nordstrasse 17, Postfach 463
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055 418 42 42
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