Über ein Jahrhundert prägte das Heilig-Geist-Spital in Einsiedeln das Leben zahlloser Kinder – als Armenhaus, Waisenhaus und Kinderheim.
Im Zuge der kritischen zeitgenössischen Betrachtung von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen gab der Bezirksrat Einsiedeln im Jahr 2022 eine unabhängige historische Untersuchung zum Einsiedler Waisenhaus und Kinderheim in Auftrag.
Unter der Leitung von Dr. Kevin Heiniger (Fachhochschule Nordwestschweiz) entstand ein über 200-seitiger Schlussbericht. Dieser beleuchtet die Geschichte der Institution mit schonungsloser Offenheit: religiöse Strenge, fürsorgerische Kontrolle, biografische Brüche – und dennoch auch Spuren von Alltag, Nähe und Überlebenswillen.
Gestützt auf umfangreiche Archivquellen, persönliche Dokumente und 19 berührende Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen entsteht ein facettenreiches Bild einer Einrichtung, die lange im Schatten stand – und deren Geschichte Teil der kollektiven Erinnerung geworden ist.
Ein Stück Schweizer Sozialgeschichte, das Ungehörtem Gehör verschafft.
Die Aufarbeitung bzw. der Schlussbericht kann unter nachfolgendem Link unentgeltlich eingesehen und bezogen werden: Schlussbericht

«Ein Geschwisterpaar des Kinderheims mit Ordensschwester Guido Mutter um 1953/54. Den Kopf der Ingenbohlerin trennte die Besitzerin des Fotos Jahre nach ihrem Heimaufenthalt heraus.»

Das «Kinderheim» in Einsiedeln um 1950 (bis 1946 mit «Waisenhaus» beschriftet).
Der Abend bot einen Einblick in die Ergebnisse des Schlussberichts und gab jenen eine Stimme geben, die lange geschwiegen haben, weil ihnen «ohnehin niemandem geglaubt» hätte. Auf dem Podium sprachen MarieLies Birchler und Annemarie Iten als Betroffene, Dr. Kevin Heiniger als Leiter des Historikerteams und alt Bezirksammann Franz Pirker als Vorsitzender des Beirats. Moderiert wurde der Abend von Victor Kälin.