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Amphibienschutz am Sihlsee, eine wenig bekannte Aufgabe

19.04.2018
Der letzte Schnee geschmolzen, die ersten warmen Sonnenstrahlen, ein lauer Regenguss: Kröten, Frösche, Molche erwachen zu Hunderten aus der Winterstarre und ziehen los. Ihr Ziel ist das Gewässer, wo sie dereinst selbst geschlüpft sind.
 
Am Sihlsee liegen gleich mehrere Amphibienschutzgebiete von nationaler Bedeutung. Eine Auszeichnung, ohne Frage. Sie erfasst die wichtigsten Laichgebiete des Landes, die für den Fortbestand verschiedener Arten entscheidend sind. Fast immer sind dies Gebiete von grosser landschaftlicher Schönheit. Damit geht aber auch die gesetzlich vorgegebene Aufgabe einher, diese wertvollen Gebiete um den See zu schützen und die Wanderung der empfindlichen Tiere möglichst sicher zu gestalten. Gezielter Amphibienschutz im Frühling bedeutet denn auch jedes Jahr einen hohen Aufwand für die Betriebsarbeiter des Bezirks und fordert von den freiwilligen Helfern des Sihlsee Amphibienteams unter der Leitung des Wildhüters Roger Bisig ein grosses Engagement.
 
„Bloss nicht den richtigen Zeitpunkt zum Stellen der Amphibienleitwerke verpassen“, leichte Anspannung ist im Gespräch mit Sepp Füchslin herauszuhören. Lange Jahre war er für die Amphibienleitwerke verantwortlich und hat ein gutes, fast intuitives Gespür für die Tiere entwickelt. „Die Schwierigkeit dabei ist, den richtigen Moment zu erwischen. Stellen die Betriebsarbeiter die Amphibienzäune zu früh auf, werden sie durch den Schnee niedergedrückt oder gar durch die Schneepflüge beschädigt.“ Wartet man zu lange zu, sind die ersten Frösche und Kröten schon unterwegs. Eins aber ist sicher: Amphibien wandern, unbeirrbar, ganz egal, ob sie dabei über Felsen stürzen, was sie unbeschadet überleben, oder ob sie gefährliche Strassen überqueren müssen – hierbei bezahlen sie aber oft einen hohen Preis.
 
Insgesamt 2800 Laufmeter an Amphibienschutz-Leitwerken säumen zum jetzigen Zeitpunkt allein die Bezirksstrasse auf der Nordseite des Sees. Ebenso viele Leitwerke stellen die Mitarbeiter des kantonalen Strassenunterhalts auf den Kantonsstrassen am südlichen Sihlsee auf. Sie führen die wandernden Amphibien zu jenen Stellen, wo sie in Kanälen unter der Strasse durch, sicher und unverletzt, auf die andere Seite gelangen können. „Der grösste Teil dieser Leitwerke besteht aus Holz und bleibt das ganze Jahr stehen“, so Reto Tschümperlin, der seit diesem Jahr neu für den Amphibienschutz verantwortlich ist. An fünf bis sechs Stellen müssen aber jedes Jahr mobile Leitwerke aufgestellt werden, dies betrifft rund 540 Laufmeter, meist auf privatem Grund, was eine sorgfältige Absprache mit den Landbesitzern verlangt.
Zwei oder drei Mann sind gut zehn Tage beschäftigt, die mobilen Blachen und Netze aufzustellen. Diese müssen gut verankert werden, da gewisse Arten, wie Molche und Kröten, gerne graben und einfach unten durchkriechen. Überhaupt sind die Tiere erstaunlich geschickt, was das Erkunden neuer Wanderrouten oder das Finden eines Durchschlupfes anbelangt. Sie fordern damit immer wieder das Talent ihrer Helfer heraus.
 
Dass ihre Arbeit aber wichtig und notwendig ist, legt der allgemein deutliche Rückgang der Amphibien in der Schweiz nahe. 19 verschiedene Amphibienarten leben hierzulande. Etliche davon sind als „verletzlich“, oder gar „stark gefährdet“ deklariert. Letztjährige Zählungen im Bezirk ergaben einen Rückgang der Amphibien gegenüber 2016. Ob dies ein einmaliges Phänomen ist oder dem allgemeinen Trend entspricht, ist schwer zu sagen. Dass jetzt am oberen Sihlsee eine stabile Population der äusserst seltenen Teichmolche bestätigt wurde, darf als kleine Sensation gewertet werden. Teichmolche gelten als stark gefährdete Art, die üblicherweise tiefe Lagen bewohnt. Es ist dies das einzige Vorkommen von Teichmolchen im ganzen Kanton Schwyz.
 
 
  
Einsiedeln, 18. April 2018
Bezirkskanzlei Einsiedeln
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