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Die neue Blüte

Um 1600 jedoch beginnt eine neue Blütezeit des Klosters und damit verbunden der Buchkultur. Im 17./18. Jahrhundert werden erneut grosse und prachtvolle Chorbücher geschrieben. 1664 richtet Abt Plazidus Reimann († 1670) im Kloster eine Druckerei ein, die bis zur Aufhebung und Schliessung beim Überfall der Franzosen 1798 über tausend Titel verlegte, neben vielen Andachtsbüchern auch grosse Werke wie das Antiphonarium monasticum (1681), die Documenta Archivii (1665–1695) und die dreizehnbändige Scholastische Theologie des Abtes Augustin II. Reding von Biberegg († 1692).

Diese neue Zeit ist auch die Zeit der Bibliothek. Früher waren die Handschriften vermutlich in einem sichern Gewölbe der Kirche verwahrt, so dass sie mehrheitlich die Brände überstanden. 1602 lässt Abt Augustin I. Hofmann († 1629) einen ersten eigenen Bibliotheksbau errichten. Diese Bibliothek stand östlich der Kirche und war gewölbt, hell und geräumig. Für den rechten Gebrauch wurden Statuten erlassen.

Gegen Ende der barocken Bauzeit wurde dann von Abt Nikolaus II. Imfeld († 1773) der heutige barocke Bibliothekssaal geschaffen (1738). Verheerend wirkte sich auch für die Bibliothek der Einfall der Franzosen und die damit verbundene Plünderung und Aufhebung des Klosters aus. Was aus der Bibliothek nicht rechtzeitig geflüchtet werden konnte oder während der ersten Tage der Besetzung abhanden kam, wurde nach Zürich in die Wasserkirche gebracht. Wieviel damals an Bücherschätzen verloren ging, konnte mangels Verzeichnissen nie eruiert werden. Zwar bedeutete diese Zeit eine Unterbrechung der Tradition, doch riss sie nicht ganz ab. Denn sogleich nach der Wiederherstellung der Abtei 1803 wurde auch die Bibliothek wieder hierhergebracht, neu organisiert und wuchs dann im 19. und 20. Jahrhundert kontinuierlich an (um 1900 etwa 40 000 Bände, heute ungefähr 170 000 Bände), vor allem das Verdienst langjähriger, unermüdlicher Bibliothekare, von denen insbesondere P. Gall Morel († 1872) genannt werden muss.

Ich habe versucht, anhand der beiden Begriffe Tradition und Kultur das Tor zum Geheimnis unserer Klosterbibliothek etwas zu öffnen und einen kleinen Einblick in ihre wechselvolle Geschichte zu geben. Natürlich wäre nun anhand dieser beiden Begriffe noch viel zu sagen über die Bibliothek und ihre Schätze, über Männer wie Benno und Eberhard, Thietland, Gregor, Wolfgang und Albrecht von Bonstetten, über die Äbte Augustin I. Hofmann, Plazidus Reimann und Augustin II. Reding von Biberegg, oder über die Bibliothekare Heinrich von Ligerz, Gall Morel, Gabriel Meier und Ignatius Staub, Namen, die untrennbar mit der Geschichte unserer Klosterbibliothek verbunden sind. Sie beweisen, dass die Stiftsbibliothek lebte und lebt und weiter leben will.