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Drei Generationen – ein Tisch


Alt und Jung bereichern sich im Alters- und Pflegeheim Langrüti gegenseitig

Einblick in ein Altersheim erhalten, mit den Bewohnern in Kontakt treten, Hand anlegen und dabei verschiedene Berufe kennen lernen, dies können zur Zeit die Sekundarschüler von Nicolas Dudler, und das mit Einsatz und Begeisterung.

 

mm. „Ich lasse mich überraschen“, meinte die 92-jährige Frau Fuchs auf die Frage, was sie dazu meine, dass Einsiedler Schüler ins Alters- und Pflegeheim Langrüti kämen, hier in verschiedenen Bereichen arbeiten, mit ihnen essen und den Tag verbringen würden. Zuerst sei sie allerdings dagegen gewesen, da sie ja niemanden kenne und sie sich an diesen Tagen an einen anderen Tisch setzen müsse. Da sie aber selber Grosskinder habe, habe sie sich einen Ruck gegeben. Sie hat es denn auch nicht bereut.

 

Der Aufwand wird belohnt

Die Idee, Schüler in die Langrüti einzuladen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, den Alltag in einem Alters- und Pflegeheim hautnah mitzuerleben, bei den verschiedensten Tätigkeiten selber Hand anzulegen und natürlich mit den Bewohnern Kontakte zu knüpfen, stammt von Leiter Sepp Haldi und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dieses Projekt ist eingebettet in ihr Jahresmotto „Hiesigs“ und alle Involvierten setzten sich denn auch mit Freude und Enthusiasmus für eine gelungene Umsetzung ein. Dazu gehörte eine aufwendige Vorbereitung und klare Strukturierung, so dass der Tagesablauf in den gewohnten Bahnen vor sich gehen konnte, aber Schüler wie Bewohner so viel als möglich davon profitierten.

Lehrer Nicolas Dudler nahm diese Einladung gerne an und seine Schüler der ersten Sekundarstufe waren nach anfänglicher Unsicherheit ob all des Ungewohnten, hatten doch einige erstmals den Fuss über die Schwelle eines Altersheims gesetzt, ganz begeistert von diesem Unterfangen. Dank ihrer offenen und hilfsbereiten Art und ihrem Interesse, aber auch dank der Angestellten der Langrüti, welche ihnen sogleich Verantwortung übergaben, entstand eine Atmosphäre des Vertrauens. So bejahten denn am letzten Donnerstag allesamt spontan die Frage, ob sie sich bei diesem Projekt wohl fühlen.

Vom Servietten falten bis zum Singen

Es sprudelte denn auch nur so aus ihnen hervor, was sie schon alles getan hatten. Während Rebecca, Lara, Daniel und Robin in der Hauswirtschaft unter kundiger Anleitung Servietten gefaltet, Tische abgeräumt, geputzt, aufgetischt, Dekorationen ausgeschnitten und das Tischgebet vorbereitet hatten, machten die Jungköche Judith, Michèle, Kilian und Ramon ihrem passenden Outfit alle Ehre.

Küchenchef Bruno Dalbert, der von dieser Generationen übergreifenden Idee geradezu Feuer gefangen hatte, hiess sie zusammen mit seinem Team gleich das ganze Menu von A bis Z kochen! Und sie hatten dies ausgezeichnet gemacht, wie sich alle Bewohner, Mitschüler und Familienangehörigen, welche zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen waren und sich bunt zusammenmischten, selber überzeugen konnten.

Ganz direkt in Kontakt mit einzelnen älteren Leuten und deren Eigenheiten, aber auch Gebrechen, kamen die Schüler im Bereich Betreuung. Patricia meinte denn, sie habe schon viel aus früheren Zeiten erfahren, Memory gespielt und die Zeitung vorgelesen. Ihre Betreuerin Esti Lengen schätzte es sehr, dass sie sich dafür Zeit genommen hatte und sie lobte gleichzeitig die respektvolle und freundliche Art der Schüler.

Paulas und Carlas Augen leuchteten geradezu, als sie von ihrem Spaziergang mit Frau Kälin im Rollstuhl erzählten und davon, dass sie ihr farbige Herbstblätter aufgelesen und mit den ihnen Anvertrauten gesungen hätten. Auch die beiden Simon halfen in der Pflegeabteilung wie fast schon selbstverständlich beim Essen und wünschten herzlich „en Guete“.

Heimleiter Sepp Haldi erwähnte denn auch in seinen kurzen Dankesworten vor dem gemeinsamen Mittagessen, dass ihn, nebst dem erreichten Ziel, drei Generationen an einen Tisch zu bringen, besonders gefreut habe, mit wie viel Liebe und Herzblut die Schüler ihre Aufgabe angegangen seien. Hoffentlich kann dies die zweite Klassenhälfte, welche heute Dienstag ihre ersten Erfahrungen im Alters- und Pflegeheim sammeln darf, genau so erleben und empfinden.

Damit ist allerdings noch nicht Schluss, soll doch dieses Projekt für alle Beteiligten nachhaltig wirken und hoffentlich die eine oder andere Beziehung intensiver wachsen lassen. So wird im Dezember gemeinsam ein Adventsanlass, unter anderem mit Musik und Geschichten, stattfinden, und im Frühling werden die Schüler einen weiteren Tag analog des jetzigen im Alters- und Pflegeheim Langrüti verbringen.