Der Barocksaal der Stiftsbibliothek auf der Ostseite des Nordtraktes (1710–1718) entstand 1738–40 in der heutigen Gestalt unter Abt Nikolaus II. Imfeld († 1773) nach Plänen von P. Dekan Aegidius d’Ocourt († 1743) und P. Plazidus Beurret († 1779) als hohe und lichte, zweischiffige Halle mit Korbgewölben, getragen von drei schlanken jonischen Säulen aus grauem Stuckmarmor. Der Raum geht über zwei Stockwerke. Ringsherum ist eine Galerie gezogen, deren Schmalseiten auf je vier Säulen aufruhen; im Grundriss besteht die Galerie aus einer Folge von Konkaven und Konvexen, wobei die Konkaven in den Fensternischen liegen.

Die Decke des architektonisch sehr wirksamen Raumes wurde von Joseph Mayer aus Schwarzenberg (Bregenzerwald) mit gefälligen und leichten Ornamenten in naturfarbenem Stuck verziert, freies Régence, sehr leicht und weitgeschwungen, mit zartrosagetönten Spiegelfeldern.
In den Fensternischen und auf den Seitenwänden der Regale brachte Mayer Medaillons mit den Profilbildern von Päpsten und Kaisern in Stuck auf terracottafarbenem Hintergrund an, stammbaumartig durch Zweige und Blätter miteinander verbunden. Das polychrome Gitter auf der Galerie ist sehr zierlich und der Decke angepasst, ein Régencegitter mit perspektivischen Verkürzungen und den Wappen des Stiftes und des Bauherrn auf den Schmalseiten.
Das kräftige Blau der Büchergestelle und Türgewände harmoniert mit dem Grau der Säulen und dem leichten Rosa der Decke und gibt zusammen mit den in Kalbs- und Schweinsleder gebundenen Bänden der Bibliothek ein farbenprächtiges Aussehen.
Den Eingang schmückt ein Hermenpfeiler mit grossem Stiftswappen, im Herzen das Wappen des Bauherrn, des Abtes Nikolaus II. Imfeld, darüber acht Stechhelme und ein Engelkopf mit Inful; beidseitig stuckierte Supraporten, unten am Pfeiler eine unrichtige perspektivische Verkürzung.
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